„Neue“ Verkehrskonzepte für Hamburg [+Umfrage]


Am Freitag haben CDU und die Handelskammer jeweils ihr eigenes Verkehrskonzept für die 2030er-Jahre vorgestellt. Beide schlagen ein Schienenverkehrsmittel auf der Straße vor – aber komplett verschiedene.

Eine Stadtbahn für Hamburg

Die CDU schlägt – wie die Grünen – die Wiedereinführung einer Stadtbahn vor. Das am Freitag vorgestellte Konzept macht auch schon konkrete Vorschläge: Das angepeilte Liniennetz hat eine Länge von 93,4km und soll als Niederflur-Stadtbahn realisiert werden. Zum einen soll die MetroBus-Linie 5 „aufgewertet“ werden (Burgwedel – Niendorf – Grindelallee – Innenstadt) und soll zugleich über Rothenburgsort bis Veddel geführt werden, was auch die Grünen befürworten („Stadtbahn bis Wilhelmsburg“). Zwei weitere Linien sollen Hamburg tangieren: Elbgaustraße – Langenhorn – Poppenbüttel und Rahlstedt – Billstedt. Der Betriebshof für die insgesamt 107 benötigten Fahrzeuge soll laut dem CDU-Konzept im Gleisdreieck Ohlsdorf oder in Niendorf entstehen. Kostenpunkt: 2,7 Milliarden Euro (= 28 Mio/km). Betont wird dabei besonders: Der alternative U-Bahn-Bau würde bis zu zehn Mal teurer sein.

Auf dieser Karte sind die vier geplanten Linien zu erkennen. (C) 2014 CDU.
Auf dieser Karte sind die vier geplanten Linien zu erkennen. (C) 2014 CDU [via]
Aufgrund der bereits bestehenden Vorplanungen könnte schon 2016 der Bau beginnen; Betriebsbeginn wäre 2020 auf einem ersten Abschnitt, ehe das 93km-Netz bis 2029 fertig wäre. Das Stadtbahnnetz soll jährlich 248,7 Millionen Fahrgäste befördern.

Wie die Grünen setzt auch die CDU auf Bürgerbeteiligung, außerdem soll es keine große Beeinträchtigungen geben: Durch Wanderbaustellen würde bis zu zwölf Wochen an einer Stelle gearbeitet werden, darüber hinaus sollen sogenannte Flüstergleise verwendet werden und Rasengleise ein wenig Natur in den Straßenraum bringen.

Eine Metrobahn für Hamburg

Die Handelskammer hingegen bevorzugt den Bau einer sogenannten „Metrobahn“, das sind U-Bahnen, die dank Stromabnehmer auch auf der Straße fahren können. Eine Hochflurstadtbahn sozusagen. Dafür werden aber auch Hochbahnsteige benötigt. Diese sollen nur 50cm über dem normalen Geländeniveau liegen, auf der Bahnsteiglänge von 60m werden die Gleise dann um 50cm gegenüber der Straße abgesenkt, damit man auf die Einstiegshöhe von einem Meter kommt.

So sieht der Standard-Entwurf für eine Metrobahn-Station aus. (C) Skizze: Handelskammer (S.96)
So sieht der Standard-Entwurf für eine Metrobahn-Station aus. (C) Skizze: Handelskammer (S.96)

Ein Vorschlag für eine Metrobahnlinie wäre eine Ausfädelung der U4 über das Grindelviertel nach Lokstedt [Anm. v. mir: Wie will man denn diesen Abzweig hinkriegen? Als Kopfbahnhof Jungfernstieg?!]. Auch eine Linie von Othmarschen nach Farmsen ist geplant.

Finanziert werden soll das ganze unterdessen mit einer Erhöhung der Fahrpreise in Form von „Ausbau-Cents“. Die Zahlungsbereitschaft liege bei 46% der Hamburger, wovon 63% 5ct/1,75% auf Zeitkarten mehr bezahlen würden. Jeweils 4% würden 15 bzw. 20 Cent (oder 5,25% bzw. 7,00% auf Zeitkarten) mehr bezahlen.

Das Hauptargument ist aber, dass kein neues System eingeführt werden muss. Die Metrobahn wird mit U-Bahn-Fahrzeugen betrieben, die wie bereits erwähnt, durch weitere Stromabnehmer auch im Straßenraum fahren könnten. Dabei muss es nicht unbedingt eine Oberleitung sein, auch ein Dreileitersystem (ähnlich wie bei der Modellbahn also) wäre denkbar.

Die Handelskammer hat in ihrem Standpunktpapier auch noch U- und S-Bahn-Erweiterungen vorgeschlagen und erläutert, dazu aber an anderer Stelle mehr.

Aber was kostet der „Spaß“? Eine konkrete Zahl liegt mir nicht vor, aber üblich sind 20 Millionen Euro pro oberirdischen Stadtbahnkilometer und 80-100 Millionen Euro pro U-Bahn-Kilometer. Laut Informationen, die die MOPO habe, würde die Finkenwerder-Strecke 500-700 Millionen Euro kosten. Das ist also mehr als die U4 bisher kostete (Beide Abschnitte)

Was die Parteien dazu sagen

Der parteilose Verkehrssenator Frank Horch stimmt den Plänen der Handelskammer zu: „Wir haben immer gesagt, dass ein neues oberirdisches schienengebundenes Verkehrsmittel mit einer völlig neuen Trassenführung in Hamburg nicht umzusetzen ist. Diese Erkenntnis teilt die Handelskammer nun mit uns.“ Aber die Priorität der Verkehrsbehörde ist eine andere: Hamburg setze mit „seinen Partnern im ÖPNV auf Metrobusse, U- und S-Bahnen.“  Den Ausbaucent lehnt man aber ab, da damit die Bürger belastet würden, die ohnehin bereits in vorbildlicher Weise öffentliche Verkehrsmittel nützten.

Die SPD hält beide Pläne für unfinanzierbar. Die verkehrspolitische Sprecherin Martina Koeppen verweist auf die Zukunft der Projekte S4 und S21: „Denn es dürfte ja wohl allen klar sein, dass für den S-Bahn-Ausbau dann das Geld fehlt, wenn gleichzeitig ein zusätzliches Milliardenprojekt wie die Stadtbahn kommen soll.“ Außerdem sei die HOCHBAHN momentan damit beauftragt, neue U-Bahn-Strecken für die 2030er zu prüfen. Der Finanzbedarf von mindestens 3,5 Milliarden Euro sei in den nächsten Jahren nicht ansatzweise darstellbar [Anm. v. mir: Woher nimmt sie diese Zahl? Die Rede war von 2,7 Mrd!]. Schließlich zerschneide ein neues System Stadtteile, was auf viel Widerstand entlang der Strecke treffen würde.

Der Grünen-Verkehrsexperte Till Steffen räumt ein, dass die CDU die Lage treffend analysiert habe und zum richtigen Schluss komme. „Die Stadtbahn ist die beste Lösung für Hamburgs Verkehrsprobleme und sie kostet pro Streckenkilometer nur einen Bruchteil des Preises für eine U- oder S-Bahn“, sagt Till Steffen. Das Metrobahn-Konzept stößt hingegen auf wenig Gegenliebe; die Idee, Hochflurbahnsteige an den Straßen zu bauen erscheine wenig praktikabel: „An diesen Stellen können – anders als bei Niederflurbahnen – keine Busse fahren, außerdem zerschneiden die Bahnstiege ganz Straßenzüge.“ Eine Stadtbahn sei nur mit Bürgerbeteiligung möglich (die die CDU ebenfalls fordert), die Grünen gehen einen Schritt weiter und fordern ein Referendum.

Die LINKE hält nichts von den Stadt- und U-Bahn-Wünschen von CDU und SPD – diese seien unglaubwürdig, „beide haben in ihren jeweiligen Regierungszeiten die Stadtbahn nicht vorangebracht, sondern gebremst und das Verkehrschaos nur verstärkt“, so Heike  Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin der Linken. Außerdem würde nicht die Stadtbahn Viertel zerschneiden, „sondern der Autoverkehr auf immer größeren und lauteren Straßen.“

Fazit & Umfrage

Die Diskussion um die Wiedereinführung der Stadtbahn in Hamburg ist wieder in Fahrt gekommen. Wird dieses Mal mehr dabei herauskommen, oder sind das nur Wahlversprechen? Welches Konzept würden Sie unterstützen? Machen Sie mit! (bis vsl. 8.3.13)

Nachtrag, 8. März: Die Umfrage ist geschlossen und die Ergebnisse werden in >> dieser News << bekanntgegeben. Vielen Dank für Ihre Teilnahmen!

Quellen: NahverkehrHamburg, HamburgSofort, CDU, Handelskammer. Bildquellen: CDU, Handelskammer

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