Kommentar: Sauna ab 1,50€


Am heutigen Freitag steigt das Thermometer auf bis zu 27° in Hamburg, zum Glück haben die U-Bahnen ja Klimaanlagen, oder? Ein Kommentar zu den Luxusproblemen Hamburger U-Bahn-Fahrgäste.

Die inzwischen 29 in Betrieb befindlichen DT5 sind ja eigentlich klimatisiert. Dank der absolut „absolut touristenunfreundlichen und depressiv-stimmenden“ Fensterfolien (wie die Fahrgäste kund taten), sollte die sowieso schwache Klimaanlage das schaffen, doch schon bei 20 Grad… ähm … war es drinnen wärmer als draußen. Nach ausführlichen Tests im vergangenen Sommer werden zur Zeit die Fensterfolien ausgetauscht, sie sind künftig heller.

Warum also keine stärkere Klimaanlage?

Aufgrund der teilweise 102 Jahre alten Infrastruktur gibt es einige technische Voraussetzungen für ein U-Bahn-Fahrzeug, wie die Achslast, die nicht überschritten werden darf. Der DT5 wurde diesbezüglich ans Limit gebracht, obwohl er schon nicht lackiert wird und auch mit Ultraleichtblechen gebaut wird (ja, die Bleche, wofür die Arbeiter extra aus Südamerika eingeflogen werden müssen). Also Folien zum Sonnenschutz. Immerhin können (aktuell bis zu) acht U-Bahn-Züge die Situation um ein paar Grad verbessern.

Und dann haben einige Fahrgäste noch Luxusprobleme

Fahre jeden Tag U1 und da werden scheinbar keine der neuen, klimatisierten Züge eingesetzt. Ich verstehe das beim besten Willen nicht. Wir haben 2014, zahlen viel Geld für die Fahrten und bekommen die Technik von vor 10-15 Jahren. Das hat doch nichts mit einem modernen Nahverkehrsunternehmen zu tun.  – Kommentar auf Facebook

Das ist schlichtweg falsch, die DT4 haben schon bis zu 25 Jahre auf dem Buckel (außer die 4.6, für die diese Angabe gerade so stimmt). Ein DT5 alle 4 Wochen nach paar Jahren Verzögerung und dann mal eben den ganzen Wagenpark neu kaufen? Nur weil es jetzt auch welche mit Klima für Hamburg gibt? Eine vereinfachte Rechnung: Zu ersetzen sind 126 DT4 und 68 DT3, also insgesamt 10,28km U-Bahn-Züge. Bei einem Preis von 4,5 Millionen für 40m sind das dann, …, 1,16 Milliiarden Euro für neue Wagen. Und wer soll das bezahlen? Wir Fahrgäste. Die Mehrkosten wären auf Beförderungsfälle heruntergerechnet 1,59€ pro Beförderung mehr, und zwar für ein ganzes Jahr. Die meisten beschweren sich jetzt schon über die Preise.

Einen solchen typenreinen Betrieb gab es übrigens zuletzt bis zum 2. Weltkrieg, im weiteren Sinne gedacht (wenn beachtet wird, dass die TU1 und TU2 baulich gesehen auch nur T-Wagen waren) bis 1958. Und was täte man nur, wenn es mal wieder eine technische Innovation gibt..?

Übrigens, wo wir schon bei neuster Technik sind: Das DT5-Fahrgastfernsehen läuft trotz Support-Einstellung weiterhin auf Windows XP-Basis.

Fazit

Jede der in Hamburg ohnehin seltenen „Hitzewellen“ hat mal ihr Ende und ich denke, dass alle Fahrgäste glücklich sein sollten, wenn die Bahn gefühlt mal etwa so warm ist wie die Umluft und nicht Saunatemperatur hat. Und wem das trotzdem nicht ausreicht kann ja entweder zuhause bleiben oder einfach den Bus nehmen. Da funktioniert die Klimaanlage wenigstens.

Wie seht Ihr das? Ist der Wagenpark mit bis zu 50 Jahre alten Zügen wirklich schon „zu alt“? Reicht es nicht, die Züge wenigstens auf Außentemperatur herabzukühlen? Brauchen wir noch stärkere Fensterfolien, oder sollten auch die DT4 getönt werden, um kühler zu bleiben? Schreibt einfach unten einen Kommentar.

PS: Und allen die meinen, ebenso mal alle Fahrzeuge austauschen zu können, rate ich, einfach mal das Gehirn einzuschalten. U-Bahnen sind eben langlebiger als Busse. Und gibt es nicht in jedem gut sortierten Straßenbahnladen. Einfach mal nachfragen gehen – kostet ja nichts 😉 Unsere DT5 fahren ja wenigstens, andernorts gibt es größere Zulassungsprobleme, man denke an den Münchener C2…

Inspiriert von diesem Post auf der Facebook-Seite der HOCHBAHN, geschrieben in 2014, in aktualisierter Fassung veröffentlicht 2015.

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4 Gedanken zu “Kommentar: Sauna ab 1,50€

  1. In Berlin kann man froh sein, wenn überhaupt mal ne U-Bahn fährt…Da gleicht das fast einem Lotteriesystem…
    Von Klimaanlagen sprechen wir da besser gar nicht…

  2. Hallo Marcel,

    schöner Artikel,der die technischen und wirtschaftlichen Grenzen des Systems gut und plausibel darstellt.

    Irgendwie gibt´s ja auch immer etwas zu Meckern. Die Kunst, das Leben in vollen Zügen zu genießen beherrscht halt auch nicht jeder. 😉

    1. Eben. Aber ich muss sehr positiv berichten, als ich gestern Habichtstraße durch den Zug 330 gegangen bin war es doch recht angenehm. Der Zug durfte seit Berliner Tor ja wieder voll aufheizen. Jedenfalls hab ich Tipps herausgefunden, so angenehm wie möglich zu reisen:
      Direkt hinter den Fahrerräumen ist die Luft am besten. Das liegt daran dass im Tunnel dort am meisten Luft hereinkommt.
      Im Mittelwagen ist es stickiger als in den Endwagen.

      Jedenfalls hatte ich ja so meine Bedenken mit den neuen schwachen Fensterfolien, welche nun ausgeräumt sind. Auch sie schaffen es gut (Naja, streng genommen fehlte mir auch der Vergleich 😉 )

      1. Die helleren Fensterfolien sind auf jeden Fall eine Gute Sache. War eigentlich von Anfang an mein einziger wirklicher Kritikpunkt an den neuen Fahrzeugen. Es ist (trotz Fahrgast Informationssystem) doch angenehm, im Tunnel die Stationsnamen lesen zu können.

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