Zeitreise geht weiter: Hellkamp bis 1964


Nach dem positiven Feedback zur dieswöchigen Serie zur Rothenburgsorter Linie, die 100 Jahre alt geworden wäre am Montag, geht es nun noch mit zwei Zugaben weiter. Heute stelle ich den aufgegebenen Bahnhof Hellkamp vor, morgen geht es zum Abschluss der Zeitreisen zum Berliner Tor. Auch dort hat sich einiges verändert…

Kürzel: HE • Betrieb: 23.05.1914 – 01.05.1964, ersetzt durch Lutterothstraße

Die Haltestelle Hellkamp war fast ein halbes Jahrhundert lang die Endhaltestelle der Eimsbütteler Zweiglinie. Der Zugang befand sich an der Kreuzung Stellinger Weg / Hellkamp. Der Tunnel führte noch rund 120m weiter bis zur Methfesselstraße. Der Endbahnhof hatte einen Mittelbahnsteig und beigebraune Fliesen an den Wänden. Die Züge fuhren bis Schlump, wo sie direkten Anschluss an die Ringzüge hatten; sie nutzten das innenliegende dritte Gleis, welches heute nur noch selten genutzt wird. Zwischenzeitlich fuhren die Züge weiter bis Rothenburgsort, nach dem Krieg bis Hauptbahnhof oder über Hauptbahnhof bis Barmbek.

""Erinnerung" an die aufgehobene U-Bahn-Haltestelle Hellkamp. Gleich nach der Stilllegung wurde mit den Abbrucharbeiten begonnen" - Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 2-1964
„“Erinnerung“ an die aufgehobene U-Bahn-Haltestelle Hellkamp. Gleich nach der Stilllegung wurde mit den Abbrucharbeiten begonnen“ – Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 2-1964

Der Bahnsteig wurde in den 1920er-Jahren verlängert. Im Zuge des U-Bahn-Baus der Billstedt – Stellinger Linie wurde die U2 über Hellkamp weiter bis Hagenbecks Tierpark (1966), Niendorf Markt (1985) und Niendorf Nord (1991) verlängert. Parallel musste die Eimsbütteler Zweiglinie auch mit der neuen Durchmesserstrecke verbunden werden, welche ab 1970 in Betrieb ging. Hierzu wurde der Bahnhof Schlump komplett umgebaut zu einem Kreuzungsbahnhof.

Da an beiden Linienenden gebaut wurde, stellte die HOCHBAHN den Zugbetrieb für ein Jahr komplett ein. Das Fahrtziel Hellkamp war somit Geschichte.

"Schon "historisch" - seit dem 1. Mai 1964 fährt kein U-Bahn-Zug mehr nach Hellkamp. Die Haltestelle wird durch einen großzügigen Neubau in der Lutterothstraße ersetzt" Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 2-1964
„Schon „historisch“ – seit dem 1. Mai 1964 fährt kein U-Bahn-Zug mehr nach Hellkamp. Die Haltestelle wird durch einen großzügigen Neubau in der Lutterothstraße ersetzt“ Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 2-1964

Die Eimsbütteler Strecke wurde während der einjährigen Sperrung modernisiert. Dabei wurde auch der Bahnhof Osterstraße umgebaut, anstatt eines Mittelbahnsteigs erhielt die Haltestelle nun zwei Seitenbahnsteige. Auch die Moorkampkurve, die Verbindung vom Bahnhof Christuskirche hin zum Bahnhof Schlump (oben) wurde zurückgebaut, sie ist heute nur noch eingleisig und wird nicht mehr für Fahrgastfahrten genutzt.

"Wegen des Neubaues der U-Bahn-Strecke nach Stellingen wurden an der Haltestelle Schlump die Gleise Richtung Christuskirche entfernt" - Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 3-1964
„Wegen des Neubaues der U-Bahn-Strecke nach Stellingen wurden an der Haltestelle Schlump die Gleise Richtung Christuskirche entfernt“ – Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 3-1964
U3/U2 Bitte nicht einsteigen, 12. März 2015
Am 12. März 2015 fuhr dieser 6 Wagen-Zug DT3 in die Moorkampkurve ein. Heute ist sie eingleisig. Von ihr gelangt man direkt in die unterirdische Abstellanlage Schlump (U2), aber auch in den Bahnhof Christuskirche.
U3/U2 Bitte nicht einsteigen, 3. März 2015
Ein 6 Wagen-Zug fährt am 3. März 2015 durch die Moorkampkurve. Gut zu erkennen ist, dass sie mal zweigleisig war. Auch die Tunneleinfahrt auf die der Fotograf bei diesem Foto stand legt dies nahe.

Sehr schön kann man die Moorkampkurve und die Einfahrt in die Haltestelle Christuskirche in folgendem Video von „MadDogMD90“ sehen:

Der Bahnhof Hellkamp wurde wenige hundert Meter vom alten Bahnhof als „Lutterothstraße“ neu gebaut. Heute erkennt man den Bahnhof nur noch an den abweichenden Standorten der Stützpfeiler, an dem breiteren Tunnel und an einem Notausgang. Die Hintergleiswände blieben beim Umbau unangetastet, man entfernte nur die Stationsschilder.

"Das war einmal die Haltestelle Hellkamp" - Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 1-1965
„Das war einmal die Haltestelle Hellkamp“ – Foto: HOCHBAHN / Fahr mit uns 1-1965

Hellkamp heute

Was bleibt? Heute übernimmt der Bahnhof Lutterothstraße die Schnellbahnanbindung. Sein Zugang befindet sich 170m nördlich vom alten Zugang. Er befand sich in der Mitte der Straße, heute in etwa dort, wo der Stellinger Weg verläuft.

Direkt hinter der Kreuzung würde heute der Eingang liegen, ungefähr dort, wo die Straße verläfut.
Direkt hinter der Kreuzung würde heute der Eingang liegen, ungefähr dort, wo die Straße verläfut.
An dieser Stelle würde man wohl direkt vor dem Bahnhofseingang stehen.
An dieser Stelle würde man wohl direkt vor dem Bahnhofseingang stehen.
Heute befindet sich an der Stelle des alten Bahnhofs ein Notausstieg, und zwar Notausstieg B I.
Heute befindet sich an der Stelle des alten Bahnhofs ein Notausstieg, und zwar Notausstieg B I.
Der Eingang am Stellinger Weg zur neuen U2-Haltestelle Lutterothstraße. Er befindet sich etwa 170m vom alten Eingang zur Haltestelle Hellkamp entfernt.
Der Eingang am Stellinger Weg zur neuen U2-Haltestelle Lutterothstraße. Er befindet sich etwa 170m vom alten Eingang zur Haltestelle Hellkamp entfernt.
Dem Eingang schließt sich ein Verbindungsgang an, links und rechts vom Tunnel fährt die U2.
Dem Eingang schließt sich ein Verbindungsgang an, links und rechts vom Tunnel fährt die U2.
Am Südende der Haltestelle Lutterothstraße: Rechts der eigentliche Ein- und Ausgang, links der Verbindungsgang zum Stellinger Weg und zum Hellkamp.
Am Südende der Haltestelle Lutterothstraße: Rechts der eigentliche Ein- und Ausgang, links der Verbindungsgang zum Stellinger Weg und zum Hellkamp.

Zur Linienfarbe

Hellkamp und gelbe Linie? Ja, dabei handelt es sich nicht um einen Fehler! Seit mindestens 1963 verwendete die HOCHBAHN bereits Linienfarben für ihre Zuggruppen, ab 1965 auch erstmals Liniennummern. In einem offiziellen Plan von 1963, welcher bei hamburger-untergrundbahn.de zu sehen ist, wurde die Hellkampstrecke in gelb gekennzeichnet. Andere Dokumente mit Linienfarben gibt es nicht. 1965 führte man die neuen Liniennummern ein, wie der Fahr mit uns 4/1965 zu entnehmen ist. Dabei bezeichnete man die Strecke Ochsenzoll – Walddörfer als U1 und als U2 Barmbek / Lutterothstraße – Schlump – Rathaus – Barmbek – Wandsbek-Gartenstadt – Farmsen. Erst mit der Billstedter Strecke kam die U3 in gelb hinzu. Da wir hier den Bahnhof Hellkamp 1963/64 betrachten wurde also ganz absichtlich gelb und nicht rot als Linienfarbe gewählt. Abgesehen von dem Schild unten, was aber mit der heutigen Bezeichnung zu tun hat 😉

Etwaige heutige Lage der Haltestelle Hellkamp


HE NavVielen Dank auch hier an die HOCHBAHN für die Unterstützung in Sachen historischer Bilder!

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