Ein Tarif, eine Fahrkarte, ein Fahrplan: 50 Jahre HVV


 

Mit dem Busticket in die Bahn und von der Bahn auf die Fähre umsteigen zu können, das ist für uns heute selbstverständlich. Als sich vor 50 Jahren Bus-, Bahn- und Schiffsverkehrsunternehmen zum Hamburger Verkehrsverbund (HVV) zusammenschlossen, war es revolutionär: Der HVV war bei seiner Gründung am 29. November 1965 der erste Verkehrsverbund der Welt.

Die Gründung des HVV fiel in eine Zeit, die vom Autoboom geprägt war und dem öffentlichen Nahverkehr zurückgehende Fahrgastzahlen bescherte. Um diese Entwicklung zu stoppen, taten sich Verkehrsunternehmen in und um Hamburg zusammen, um den Bürgerinnen und Bürgern künftig ein attraktives, aufeinander abgestimmtes ÖPNV-Angebot aus einer Hand anbieten zu können. „Ein Tarif, eine Fahrkarte, ein Fahrplan“ war das Leitmotiv. Gesellschafter der ersten Stunde sind die Hamburger Hochbahn AG (HHA), die Deutsche Bundesbahn (DB) (S-Bahn Hamburg), die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). Die Hafen-Dampfschifffahrt AG (HADAG) und die Hamburg-Blankenese-Este-Linie sind über die Hamburger Hochbahn assoziiert. Hamburg war somit Pionier für einen systemübergreifenden, integrierten öffentlichen Nahverkehr und blieb viele Jahre lang Vorbild für die Gründung von Verkehrsverbünden in Deutschland und auf der ganzen Welt.

Schon für den Winterfahrplan 1966/1967 konnte der HVV sein erstes Fahrplanbuch präsentieren; der HVV-Tarif trat kurz darauf, am 1. Januar 1967, in Kraft. Nun brauchten die Fahrgäste nicht mehr bis zu sieben Fahrkarten zu lösen, wenn sie von einem Ende des Verkehrsraums ans andere Ende fahren wollten. Durch den abgestimmten Fahrplan der Verbund-Verkehrsunternehmen wurden zudem die Umsteigezeiten deutlich reduziert. Von diesen Vorteilen konnten schon damals 2,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des ca. 3.000 qkm großen HVV-Gebiets profitieren. Selbst in Weltstädten wie London und Paris gab es nichts Vergleichbares. Experten aus aller Welt kamen nach Hamburg, um sich über das revolutionäre Modell zu informieren.

Während der vergangenen fünf Jahrzehnte hat der HVV trotz einiger kritischer Jahre seine Fahrgastzahl fortlaufend gesteigert: Zu Beginn (1967) waren es 406 Millionen Fahrgäste pro Jahr; 2001 wurde die 500-Millionen- Grenze überschritten. Nachdem das HVV-Gebiet Ende 2002 nach Norden und Ende 2004 nach Süden auf die sieben an Hamburg grenzenden Kreise erweitert wurde, betrug die Fahrgastzahl des Jahres 2005 rund 575 Millionen.

In dem heute ca. 8.600 qkm großen Verbundraum leben etwa 3,5 Millionen Menschen, die das HVV-Angebot zusammen mit den Besucherinnen und Besuchern der Metropolregion rege nutzen: An einem Werktag zählt der HVV 2,5 Millionen Fahrgäste.

Ein Überblick…

  • 1965: Am 29. November wird der HVV gegründet, der erste Verkehrsverbund weltweit. Gesellschafter der ersten Stunde sind die Hamburger Hochbahn AG (HHA), die Deutsche Bundesbahn (DB) mit S-Bahn und mit Stadtbussen, die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH). Die Hafen-Dampfschifffahrt AG (HADAG) und die Hamburg-Blankenese-Este-Linie sind über die HHA assoziiert.
  • 1967: Am 1. Januar tritt der HVV-Tarif in Kraft. Das erste HVV-Fahrplanbuch wird in 120.000- facher Auflage verbreitet. Neben den Gründungsunternehmen gehören jetzt auch die Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN), die Alster-Nordbahn (ANB) sowie die Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn Aktiengesellschaft (EBO) und die Deutsche Bundespost (DBP) zum HVV. Die S-Bahn wird von Elbgaustraße bis Pinneberg verlängert. Die ersten Park-and-Ride-Plätze entstehen.
  • 1970: Am 1. April wird das HVV-Abo eingeführt. Bis Ende 1970 gibt es 20.000 Abonnenten. 1972: In Hamburg werden bundesweit die ersten Busfahrerinnen eingestellt. Die Pinneberger Verkehrsgesellschaft (PVG) tritt dem Verbund bei.
  • 1973: Einweihung des Schnellbahnknotens Jungfernstieg, von nun an durchgehender Betrieb der U2 von Hagenbecks Tierpark über Jungfernstieg bis Wandsbek-Gartenstadt. Einführung der Tageskarte.
  • 1974: Vorläufer der HVV-Schulberatung: HVV-Rechenbuch für das 3. und 4. Schuljahr.
  • 1975: Die „City-S-Bahn“ wird vom Hauptbahnhof bis zum vorläufigen Endpunkt Landungsbrückenin Betrieb genommen.
  • 1976: Die Känguruh-Karte wird eingeführt, sie ist der Vorläufer der heutigen CC-Karte und war für den Einkaufsverkehr außerhalb der Hauptverkehrszeiten konzipiert.
  • 1977: Der HVV schickt von nun an Infobusse auf Tour.
    1978: 1. Oktober: Hamburg nimmt Abschied von der letzten Straßenbahnlinie.
  • 1979: Die „City-S-Bahn“ ist jetzt vom Hauptbahnhof über Landungsbrücken hinaus bis nach Altona in Betrieb. Die preisgünstige CC-Karte für Fahrten außerhalb des Berufsverkehrs wird eingeführt.
  • 1980: Einrichtung der zentralen Telefonauskunft des HVV (heute HVV-Infoline 040 19449)
  • 1981: Das Verbindungsstück der „City-S-Bahn“ zwischen Altona und Diebsteich wird in Betrieb genommen. Bundesweit erstmalig vereinbart der HVV mit dem 19. Evangelischen Kirchentag die Ausgabe von Kombitickets. So können 300.000 Menschen mit ihrem Teilnehmerausweis den HVV nutzen.
  • 1983: Der erste Teilabschnitt der Harburger S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Harburg Rathaus wird in Betrieb genommen.
  • 1984: Die S-Bahnstrecke südlich der Elbe führt jetzt bis HH-Neugraben.
  • 1985: Erste Kombiticket-Dauerkooperation: Für Musikveranstaltungen in der Alsterdorfer Sporthalle enthalten alle Eintrittskarten die Fahrtberechtigung mit dem HVV.
  • 1989: Erstmals fährt der weltweit modernste U-Bahn-Typ DT4. Das Großkundenabo (Jobticket) wird eingeführt.
  • 1990: Die Verlängerung der U3 bis Mümmelmannsberg ist fertig. Für Touristen wird die Hamburg-Card eingeführt. Gründung der HVV-Schulberatung.
  • 1991: Die Verlängerung der U2 bis Niendorf Nord wird in Betrieb genommen.
  • 1994: Für Studierende wird das HVV-Semesterticket eingeführt.
  • 1996: Die Umstrukturierung des HVV vom Unternehmens- zum Aufgabenträgerverbund tritt in Kraft. Die U1 fährt jetzt bis Norderstedt Mitte.
  • 1997: Die HVV-Website mit der Internet-Fahrplanauskunft geht ans Netz. Die S-Bahn beginnt mit dem Einsatz der neuen Züge des Typs ET 474.
  • 1998: Der HVV erhält ein neues Corporate Design.
    2001: Ab Juni gibt es das MetroBus-Netz, in dem die wichtigsten Buslinien des HVV zusammengefasst sind und einen garantierten 10-Minutentakt bis mindestens 21 Uhr bieten.
  • 2002: Am 15. Dezember tritt die Ausweitung des HVV nach Norden in Kraft, zu den bisher 11 Verkehrsunternehmen im HVV kommen 15 Unternehmen aus den neuen Gebieten hinzu.
  • 2004: Am 12. Dezember erfolgt die Ausweitung des HVV nach Süden. Ab 17. Dezember fahren in Hamburg U- und S-Bahn in den Wochenendnächten durch.
  • 2007: Eröffnung der S-Bahn-Strecke nach Stade. Erstmals kommen bei der S-Bahn Hamburg Zweisystem-Fahrzeuge zum Einsatz.
  • 2008: Die Flughafen-S-Bahn wird eröffnet.
  • 2010: Die Fahrkarte zum Selbstausdrucken ist im HVV-Onlineshop erhältlich.
  • 2011: „Pünktlich oder Geld zurück“: Die HVV-Garantie wird eingeführt.
  • 2012: Einführung der HVV-App und des mobilTickets. Die U4 wird eröffnet.
  • Seit 2012: Beschleunigung des barrierefreien Ausbaus der Hamburger Schnellbahn-Haltestellen (1. Stufe 2012-2015; 2. Stufe 2015-2020)
  • 2014: Echtzeitdaten im HVV auf den Schienenstrecken. Bis Ende 2016 sollen zu allen Bussen, Bahnen und Fähren im HVV die aktuellen Informationen zur Verfügung stehen.

Mit Material von: HVV. Titelbild aus HOCHBAHN-Kundenzeitung „Fahr mit uns“

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