„Es kann sein, dass das ein Fehler gewesen ist“

Heute vor 40 Jahren verabschiedete Hamburg seine Straßenbahn – der damalige Bürgermeister Hans-Ulrich Klose (SPD) räumte dort bereits ein, dass die Einstellung vielleicht ein Fehler war. 40 Jahre später kann man sicher darüber streiten – diese Frage polarisiert wie fast keine andere. Der letzte Versuch, fahrende Züge auf die Straße zu bringen, scheiterte 2011 an der SPD… An dieser Stelle möchte ich aber ganz ausdrücklich nicht die uferlose Stadtbahn-Debatte auffrischen, sondern anlässlich des 40. Jahrestages der Einstellung ein paar Bilder, noch vorhandener Wagen zeigen, und die letzten Tage grob skizzieren 😉

Die Fotos lassen sich wie gewohnt per Klick als Vollbildgalerie öffnen, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit: Es sind nicht alle noch vorhandenen Wagen abgebildet.

 

Am Sonnabend (30.9.) war die Linie 2 zwischen ca. 8:30 und 15:00 Uhr auf Wirken des Gesamtverbands des Hamburger Einzelhandels kostenlos nutzbar. Dies führte zu einem großen Andrang, sodass Fahrgäste zurückbleiben mussten. Erwartungsgemäß lief am letzten Tag nicht alles glatt: Der Betriebsbericht für den 30. September listet diverse Sachbeschädigungen durch die Fahrgäste auf.  Wagen 3633 unternahm in der Nacht auf den 1. Oktober 1978 die letzte planmäßige Fahrt, um 00:29 Uhr vom Rathausmarkt nach Schnelsen. Er blieb dann noch an der Haltestelle Rentzelstraße stromlos stehen – ebenfalls vandalismusbedingt:

„0.47 Haltestelle Rentzelstraße: Wagen ohne Strom, keine Beleuchtung. Schaden verursacht durch Fahrgäste. Notbremshebel u. Maximalschalter beschädigt.

Schiebezug kann nicht gebildet werden, da Kupplung fehlt. Wagen durch OMS zum Aussetzen fertiggemacht. Störung 53 Min.“ – Betriebsbericht vom 30.09.1979

Im weiteren Verlauf der Nacht musste der Betriebshof Lokstedt noch von der Polizei geräumt werden – Fahrgäste und Passanten versuchten dort einzudringen. Dennoch wurden 10 Triebwagen so stark beschädigt, dass ihnen die letzte Ehre nicht mehr erwiesen werden konnte. Am Sonntag sollte ein großes Abschiedsfest in der Innenstadt gefeiert werden, mit einem Korso der letzten Betriebsfähigen Wagen nach Lokstedt.

Der kostenlose Sonderverkehr der Linie 2 wurde aufgrund der großen Besucherzahl (die Rede ist von 300.000 Hamburgern…) ein wenig früher als geplant aufgenommen. Gegen 16 Uhr setzte sich der Korso – mit dem nun in Skjoldenaesholm weilenden Wagen 3657 am Ende – in Bewegung, sieben der zwölf Züge wurden über Niendorf-Schnelsen nach Lokstedt ausgesetzt. Durch die Massen, die die Straßen säumten, kam der Busverkehr insbesondere im Raum Niendorf zum Erliegen, hier kam es laut Betriebsbericht zu Verspätungen von bis zu 70 Minuten – wegen Zuschauern auf der Fahrbahn. Um 19 Uhr seien dann alle Triebwagen im Betriebsbahnhof Lokstedt abgestellt gewesen.


Doch zurück in das Jahr 2018: Vor dem Hintergrund heutiger Schnellbahnplanungen entlang der Linie 2 / 102 / 5 darf man Kloses Aussage „es kann sein, dass das ein Fehler war“ durchaus kontrovers diskutieren – schließlich fährt die 5 ja heute auf ihren Busspuren… Wo stünden wir heute mit einer modernen Straßenbahn? Sicherlich nicht in überfüllten Großraumgelenkbussen, von denen alle 5-8 Minuten zwei Stück kommen.

Die gezeigten Museumszüge werden von zwei Vereinen betreut, die dieses Jahr ebenfalls Jubiläen feiern konnten: Während die Dänen nun ebenfalls auf 40 Jahre zurückschauen können (aber 40 Jahre mit und nicht ohne Straßenbahn), kann der VVM nun auf 25 Jahre am Schönberger Strand zurückblicken. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg beim weiteren Erhalt eines wichtigen Kapitels Hamburger Geschichte, auch wenn eben nicht mehr in Hamburg.

Wer hier in Hamburg alte Straßenbahnen sehen möchte, kann im Bauhaus in Lokstedt (Nedderfeld) einen reichlich zugestellten V6E oder einen von den Eheleuten Naefcke selbst aufgearbeiteten V7E im Parkhaus von REWE Stanislawski (Krohnskamp/Dorotheenstraße) begutachten – der V7E ist jeden Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Und nebenbei kann der Wochenendeinkauf getätigt werden. Praktisch oder?


Und zum Abschluss noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache, da Transparenz heutzutage eine ziemlich große Rolle spielen kann: Ab sofort ändert sich die Beitragsstruktur der Fotoblog-Beiträge hier auf DT5 Online. Künftig werden Fotoblog-Beiträge unter dem Datum veröffentlicht, an dem die Fotos entstanden sind. Wenn also demnächst noch nachträglich Galerien im September auftauchen, war das kein Fehler, dass er nicht früher angezeigt wurde. In jedem Fall werden die Beiträge aber auf Facebook und Twitter geteilt, sobald der Beitrag online ist. Dies betrifft nur Fotoblog-Beiträge, sollten mal Nachrichtenmeldungen hier erfolgen, oder ET 490-Umlaufpläne (sind in Arbeit!), wird das Datum nicht angefasst. Diese Umstellung erschien folgerichtig, da größtenteils nur noch Fotoblogbeiträge erscheinen, und es einfach keinen Sinn dafür gibt, Nachträge unter einem völlig falschen Datum zu zeigen. 

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