Eine dritte Brücke über die Norderelbe für den Regional-, Fern- und Güterverkehr: Die Verkehrsbehörde und DB stellten heute die Pläne für den Ersatzneubau der beiden bestehenden Brücken inklusive Ergänzung um eine dritte Brücke vor. Künftig werden dort sechs statt bislang vier Gleise dem Regional-, Fern- und Güterverkehr zur Verfügung stehen. Kostenpunkt: Über eine Milliarde Euro – genaue Angaben sind noch nicht möglich. Die S-Bahn-Brücke ist von den Maßnahmen nicht betroffen.
Die heutigen Strombrücken sind rund 100 Jahre alt. Teile der Gründungen stammen noch von den ersten Elbbrücken aus dem Jahr 1870. Die rund 300 Meter langen Brücken werden heute von täglich etwa 660 Zügen befahren. Trotz wiederholter Instandsetzungen – zuletzt 2025 – ist nach Angaben der Projektbeteiligten eine dauerhafte Weiternutzung nicht mehr wirtschaftlich darstellbar. Auch Varianten zur Wiederverwendung der seit 2021 unter Denkmalschutz stehenden Überbauten wurden untersucht. Diese erwiesen sich jedoch weder technisch noch wirtschaftlich als tragfähig.

Planungswettbewerb für die neuen Brücken
2024 wurde ein Planungswettbewerb durchgeführt. Den Zuschlag erhielt die Planungsgesellschaft panta-NEY, ein Zusammenschluss aus panta ingenieure (Hamburg) und NEY & PARTNERS.

Nach Angaben der Entwurfsverfasser orientiert sich das Konzept an der bestehenden Bogenstruktur. Vorgesehen sind schlanke Stahlbögen mit vertikalen Flachstahlhängern sowie kreuzförmig angeordnete Windverbände. Ziel sei es, das bestehende Stahl-Ensemble weiterzuentwickeln und zugleich eigenständige Neubauten zu schaffen.

Von städtischer Seite wurde betont, dass sich die neuen Brücken in das bestehende Erscheinungsbild einfügen und aus der Distanz keine radikale Veränderung bewirken sollen, bei näherer Betrachtung jedoch als zeitgemäße Konstruktionen erkennbar bleiben.
Vom 24. Februar 2026 bis 4. März 2026 sind die Arbeiten des Planungswettbewerbs im Foyer des Bezirksamtes Hamburg Mitte, in der Caffamacherreihe 1-3, 20355 Hamburg, öffentlich zu sehen. Das Foyer ist montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzlich sind die Wettbewerbsarbeiten online einsehbar.
„Brückentetris“: Der herausfordernde Bau unter rollendem Rad
Der Bau soll unter laufendem Betrieb erfolgen. Der vorgesehene Ablauf wurde von Ute Plambeck, DB-Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein als „Brückentetris“ beschrieben: Neubau – Abriss – Verschub.
In einem ersten Schritt muss die ohnehin bereits gesperrte Freihafenelbbrücke für den Individualverkehr zurückgebaut werden. Seit einer Havarie darf das Mittelteil der Brücke keiner über das Eigengewicht hinausgehenden Last ausgesetzt werden. Der Rückbau dieses Teils soll noch in diesem Jahr erfolgen, auch wenn keine Einsturzgefahr besteht. Die beiden Außenteile sollen voraussichtlich im folgenden Jahr folgen. Nach Angaben der Hamburg Port Authority (HPA) war ein Neubau des Mittelteils aufgrund von Kriegsschäden ohnehin vorgesehen – neu ist damit eigentlich nur der vorgezogene Rückbau infolge der Havarie.
Auf dem neu gewonnenen Platz entstehen anschließend zwei der drei neuen Brückenbauwerke – zunächst als Umfahrung. Nachdem die Strecke entsprechend verschwenkt wurde, kann der Rückbau der Bestandsbrücken erfolgen. Nach Abschluss aller weiteren nötigen Arbeiten werden die beiden neuen Brücken dann an ihre finale Position verschoben. Hierfür werden pro Brücke rund dreiwöchige Sperrpausen erforderlich sein.
Nach dem erfolgreichen Verschub der beiden neuen Brücken entsteht die dritte (zusätzliche) Brücke und die neue Freihafenelbbrücke für den Individualverkehr. Parallel wird die HOCHBAHN eine eigene Elbbrücke für die U4-Verlängerung bis zur neuen Haltestelle im Moldauhafen bauen. Ob diese bauzeitlich eventuell noch einmal ausgehoben werden muss, ließe sich derzeit nicht verlässlich sagen.

Der Zeitplan im Überblick
Anfang des Jahres wurde mit der Leistungsphase 3, also der Entwurfs- und Genehmigungsplanung begonnen. Diese wird etwa drei Jahre dauern. Anschließend wird das Planfeststellungsverfahren durchgeführt, hier wird mit einer Verfahrensdauer von etwa zweieinhalb Jahren gerechnet. Der Bau werde schließlich circa sieben Jahre dauern.
Bei einem idealen Projektverlauf wird also Anfang der 2030er-Jahre mit dem Bau begonnen und Ende der 2030er-Jahre das Projekt fertiggestellt. Klar ist – auch wenn Verkehrssenator Anjes Tjarks (GRÜNE) dieser Frage auf der heutigen Landespressekonferenz im Rathaus eher auswich – das noch für über ein Jahrzehnt keine Autos über die Freihafenelbbrücken fahren können. Einen Zeitrahmen wollte er nicht nennen – das seien ohnehin nur circa-Angaben, bei denen sich niemand über eine frühere Fertigstellung beschweren würde. Großprojekte der Bahn fielen in den letzten Jahren jedoch nicht durch eine vorzeitige oder gar auch nur pünktliche Fertigstellung auf – sei es Stuttgart 21, der Ausbau der Strecke nach Fehmarn/Kopenhagen oder die Generalsanierungen der Riedbahn oder Berliner Strecke.
Titelbild: Visualisierung des neuen Brückenensembles, Quelle: Planungsgesellschaft planta-NEY mbH
