HOCHBAHN weitet Tests mit KI-Kameras aus

Die HOCHBAHN will den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Überwachung ihrer U-Bahn-Haltestellen weiter erproben. Eine Software soll auffällige Situationen in den Bildern der (vorhandenen) Videoüberwachung automatisch erkennen und die gemeinsame Leitstelle von HOCHBAHN und HOCHBAHN-WACHE darauf aufmerksam machen. Nach ersten Tests in Barmbek, Baumwall und am Berliner Tor wird das Pilotprojekt fortgesetzt und auf zunächst zwei weitere Haltestellen ausgeweitet.

Noch in diesem Jahr soll neue Kameratechnik an den Landungsbrücken getestet werden. Für 2027 ist eine weitere Erprobung am Hauptbahnhof Süd vorgesehen. Ob die neue Technik flächendeckend zum Einsatz kommen wird ist bislang aber noch offen. In der nächsten Projektphase will die HOCHBAHN vor allem untersuchen, wie sich die Technik zuverlässig in die Arbeitsabläufe der Leitstelle integrieren lässt.

Software meldet auffällige Situationen an die Leitstelle

Die KI wertet die Videobilder auf bestimmte Muster aus, die auf eine mögliche Gefahrensituation hinweisen können. Dazu gehören beispielsweise Menschen im Gleisbereich, regungslos auf dem Bahnsteig liegende Personen, starkes Gedränge oder tätliche Auseinandersetzungen.

Erkennt die Software eine entsprechende Szene, übermittelt sie automatisch einen Hinweis an die Leitstelle. Dort prüfen Mitarbeiter den Vorgang und entscheiden über weitere Maßnahmen. Die KI soll damit nicht eigenständig über einen Einsatz entscheiden, sondern als zusätzliches Assistenzsystem dienen.

Ziel ist es, sicherheitsrelevante Ereignisse zuverlässiger und schneller zu entdecken: Die derzeit 93 U-Bahn-Haltestellen können nicht alle gleichzeitig durch die Mitarbeiter beobachtet werden. Automatisierte Hinweise könnten deshalb dazu beitragen, die Aufmerksamkeit gezielt auf bestimmte Situationen zu lenken und bei Bedarf schneller Hilfe zu organisieren.

„Wir sehen viel Potenzial im Bereich der Künstlichen Intelligenz, das zeigt unser Pilotprojekt zur KI-gestützten Videoerkennung“, erklärt HOCHBAHN-Technikvorstand Jens-Günter Lang. Mit steigenden Fahrgastzahlen würden auch die Anforderungen an die Schutzkonzepte im U-Bahn-Netz zunehmen.

Tests zunächst mit bestehender Kameratechnik

Das Pilotprojekt wurde bereits im vergangenen Jahr gestartet. In einer ersten Phase untersuchte die HOCHBAHN in unterschiedlichen Zeiträumen an den Haltestellen Barmbek, Baumwall und Berliner Tor, ob sich die bestehende Videoüberwachung mit einer KI-gestützten Bilderkennung verknüpfen lässt.

Anschließend wurde in Barmbek und Baumwall neue Kameratechnik eingesetzt, die speziellere Voraussetzungen für die automatisierte Mustererkennung bietet. Nach Angaben der HOCHBAHN zeigte diese gegenüber den Bestandskameras deutliche Vorteile, ohne diese näher zu benennen. Die Erprobung erfolge in Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung und die Auswertung richtet sich nur auf bestimmte Situationen und Verhaltensmuster in den Videobildern.

Ausweitung auf die Haltestellen Landungsbrücken und Hauptbahnhof Süd

Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse sollen die Tests in Barmbek und Baumwall fortgesetzt werden. Zusätzlich ist vorgesehen, noch 2026 an der Haltestelle Landungsbrücken neue Kameratechnik zu installieren. Im kommenden Jahr soll der Hauptbahnhof Süd als weiterer Standort hinzukommen.

Damit testet die HOCHBAHN das System an Haltestellen mit unterschiedlichen baulichen und betrieblichen Voraussetzungen. Barmbek und Hauptbahnhof Süd gehören zu den größeren Umsteigepunkten im Netz, während die Haltestellen Baumwall und Landungsbrücken insbesondere durch Veranstaltungs- und Ausflugsverkehr zeitweise stark ausgelastet sind.

Die nächste Testphase soll nicht nur zeigen, wie zuverlässig die Software bestimmte Situationen erkennt. Es steht auch die Frage im Mittelpunkt, wie die automatischen Meldungen in der Leitstelle weiterverarbeitet werden. Dafür müssen bestehende Prozesse angepasst und Zuständigkeiten für eingehende Hinweise festgelegt werden.

KI muss zunächst weiter trainiert werden

Die Installation neuer Kameras sei allein nicht ausreichend. Vielmehr müsse die Software noch anhand unterschiedlicher Situationen weiter trainiert werden, um tatsächliche Gefahrensituationen möglichst zuverlässig von unkritischen Vorgängen unterscheiden zu können. Dabei geht es etwa darum, ob eine auf dem Bahnsteig sitzende oder liegende Person tatsächlich Hilfe benötigt oder ob eine größere Menschengruppe bereits ein sicherheitskritisches Gedränge darstellt.

Der Grat ist schmal: Fehlmeldungen könnten die Leitstelle unnötig belasten – übersehene Situationen würden dagegen den Nutzen des Systems einschränken. Die weitere Erprobung soll deshalb zeigen, bei welchen Vorfallsarten die KI bereits zuverlässig unterstützen kann und wo noch Anpassungen erforderlich sind. Die HOCHBAHN vergleicht diesen Prozess mit der Einarbeitung neuer Mitarbeiter: Auch die Software müsse verschiedene Szenarien zunächst kennenlernen und richtig einordnen.

Menschen behalten die Entscheidungshoheit

Trotz der automatisierten Bilderkennung soll die abschließende Bewertung weiterhin durch Mitarbeiter in der Leitstelle erfolgen. Die KI ersetzt weder die Mitarbeiter in der Leitstelle noch die Streifen der HOCHBAHN-WACHE auf den Haltestellen. Sie könnte ihnen künftig jedoch einen schnelleren Überblick über auffällige Ereignisse verschaffen.

Auch Hinweise von Fahrgästen bleiben weiterhin wichtig. Die HOCHBAHN betont, dass aufmerksame menschliche Beobachtung auch bei einem möglichen späteren Regelbetrieb des Systems unverzichtbar bleibt.

Ob die KI-gestützte Videoanalyse langfristig fest in die Betriebsabläufe aufgenommen und auf weitere Haltestellen ausgeweitet wird, ist noch offen. Zunächst sollen die Tests an den vier Standorten weitere Erkenntnisse zur technischen Zuverlässigkeit, zum praktischen Nutzen und zu den notwendigen Abläufen in der Leitstelle liefern.

Titelbild: HOCHBAHN