Seit August 2025 ist die 280 Kilometer lange Strecke zwischen Hamburg und Berlin gesperrt. Zum 30. April 2026 sollte die Strecke wieder in Betrieb genommen werden, doch daraus wird nichts: Aufgrund des anhaltenden Dauerfrosts kann der Zeitplan trotz Reserven nicht mehr eingehalten werden. Erst in gut vier Wochen, am 13. März, will die DB InfraGO einen überarbeiteten Inbetriebnahmeplan vorlegen.
Im Dezember 2025 teilte die Bahn noch mit, mit den Arbeiten im Zeitplan zu liegen. Doch dann folgte der „stärkste Wintereinbruch seit mehr als 15 Jahren“, wie der DB InfraGO-Vorstand Gerd-Dietrich Bolte einräumt. Man habe auf die Wetterstatistik vertraut und einen Puffer eingeplant, aber nur von zwei bis drei Wochen. Der Boden sei stellenweise bis zu 70 Zentimeter tief gefroren.
Wegen der dauerhaft niedrigen Temperaturen könnten seit Ende Dezember bestimmte Arbeiten aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden. Aufgrund vereister und zugefrorener Kabelkanäle könnten Kabel für die Signal- und Stellwerkstechnik nicht wie geplant verlegt werden. Auch seien laut Bahn Arbeiten an der Oberleitung und die Montage von Weichenantrieben sowie Signalanlagen seit Wochen witterungsbedingt nicht möglich. Während der Gleisbau laut Tagesspiegel-Informationen zu 98 Prozent abgeschlossen sei, liege man bei Oberleitungen und Signaltechnik erst bei 50 Prozent. Damit liege man hinter dem Zeitplan.
Gemeinsam mit den Baupartnern wolle man in den nächsten Wochen alles daran setzen, den Rückstand so gut wie möglich aufzuholen. Sobald der stark durchgefrorene Boden vollständig aufgetaut sei, müssten die witterungsbedingt verschobenen Arbeiten neu eingetaktet werden. Das Personal auf der Baustelle solle deutlich verstärkt werden, sobald die Temperaturen die nächsten Schritte zulassen.
Frost ist nicht das einzige Problem
Der Frost ist derweil nicht das einzige Problem auf der Strecke: Diverse Unfälle auf der Baustelle dürften ebenfalls zu Verzögerungen beitragen. Mehrere Male mussten Hilfszüge anrücken – etwa nachdem eine Ramme in Ludwigslust umgekippt war, oder „mal wieder“ etwas entgleiste. Außerdem soll es Probleme mit beschädigten und nicht nutzbaren Weichen geben.
Auch der Betreiber des Schienenersatzverkehrs, die Bietergemeinschaft „ecoVista“, eine Unternehmensgruppe aus mehreren mittelständischen Busunternehmen, fiel in den letzten Monaten wiederholt negativ auf: Busse verfuhren sich in der Anfangszeit, oder verunfallten immer wieder – nicht nur aufgrund der Straßenglätte.
Der Schienenersatzverkehr soll laut Tagesspiegel weiterlaufen, ob mit ecoVista sei aber noch unklar. Für den Ersatzverkehr mit 26 Linien wurden etwa 200 Busse neu beschafft, doch soll das Unternehmen die Busse dem Vernehmen nach ab Mai anderweitig verplant haben.
Neue Zeitpläne – nicht nur für die Berliner Strecke
Bis zum 13. März soll ein neues Inbetriebnahmekonzept stehen. Ziel sei laut DB, eine für Reisende und Güterverkehrsunternehmen gleichermaßen verträgliche Lösung zu finden. Dabei müssen auch die Auswirkungen auf die am 1. Mai startende „Qualitätsoffensive Hamburg – Hannover“ näher berücksichtigt werden. Da diese Strecke für die umgeleiteten Züge des Fern- und Güterverkehrs benötigt werden, müsste die Maßnahme bei einer Anpassung des Zeitplans für die Inbetriebnahme der Berliner Strecke ebenfalls neu eingetaktet werden. Beide Hauptstrecken wolle die Bahn also nicht zeitgleich sperren.
Zur geplanten Sperrung der Strecke Lübeck – Bad Kleinen zwischen Grevesmühlen und Bad Kleinen, die derzeit von umgeleiteten IC-Zügen und dem RE 2 genutzt wird, gibt es bisher keine Informationen. Hintergrund sind die Arbeiten zur Elektrifizierung der Strecke.
Ob die Einführung der neuen ICE L-Züge auf den Verbindungen nach Westerland(Sylt) entsprechend verschoben werden muss, ist ebenfalls noch offen.
Titelbild: RE 2 zwischen Grevesmühlen und Bad Kleinen bei Naschendorf, Foto: Laurin Lüdke
