Seit August 2025 ist die 280 Kilometer lange Strecke zwischen Hamburg und Berlin gesperrt. Zum 30. April 2026 sollte die Strecke wieder in Betrieb genommen werden, doch daraus wurde nichts: Aufgrund anhaltenden Dauerfrosts zu Jahresbeginn konnte der Zeitplan trotz Reserven nicht mehr eingehalten werden. Nun hat die Bahn – zwei Tage früher als angekündigt – einen neuen Zeitplan für die Wiederinbetriebnahme der Strecke vorgestellt.
Zugverkehr kann teilweise am 15. Mai aufgenommen werden
Die bestehende Streckensperrung zwischen Hamburg und Berlin wird im nördlichen Abschnitt nur um zwei Wochen verlängert. Ab dem 15. Mai wird der Streckenabschnitt Hamburg – Büchen – Hagenow Land – Holthusen – Schwerin – Rostock/Stralsund wieder in Betrieb genommen. Die Intercity-Züge über Lübeck und Bad Kleinen in Richtung Ostsee können dann wieder auf ihrem regulären Laufweg verkehren. Auch die Verstärkungen auf den Linien RE 8 (SH) und RE 4 (MV, vorübergehend Dosto-RE 2) sind dann entsprechend nicht mehr erforderlich. Ein Großteil des Ersatzverkehrs kann entfallen.
Über die eigentlich am 1. Mai beginnende Sperrung der Strecke Lübeck – Grevesmühlen – Bad Kleinen schweigen die Meldungen der DB bisher. Es liegt jedoch nahe, dass diese Bauarbeiten zwei Wochen später beginnen, da die Strecke derzeit als Umleitungsstrecke benötigt wird.
Für alle übrigen Nahverkehrsverbindungen bleibt der Ersatzverkehr bis zum 13. Juni und somit sechs Wochen länger als geplant bestehen. Die wegen der Bauarbeiten angepassten Nahverkehrslinien verkehren wie gehabt, etwa der RE 85 zwischen Schwerin und Berlin. Um Umleitungen im Güterverkehr zu ermöglichen, kommt es ab dem 15. Mai zu Teilausfällen auf den Linien RE 4-MV (Bützow – Lalendorf) und RE 50-MV (Rostock – Langhagen). Der VBB-RE 5 verkehrt über Plaaz statt Güstrow.
Im Fernverkehr bleibt das Umleitungskonzept über Stendal und Uelzen bis zur vollständigen Inbetriebnahme am 14. Juni bestehen. Es fahren täglich stündliche ICE-Züge sowie zwei bis drei Flixtrains.

Ab dem Morgen des 14. Juni fahren dann wieder alle Regional-, Fern- und Güterzüge auf ihrem regulären Laufweg. Das Angebot zwischen Hamburg und Berlin soll dann größer als vorher sein: Tagsüber verkehren neben den etwa halbstündlichen ICE-Zügen dann auch Flixtrains im Zweistundentakt.
Das finale Inbetriebnahmekonzept wird nun schnellstmöglich mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen in die Fahrpläne eingearbeitet – anschließend werden auch die Fahrplanauskünfte im Web und in den Apps aktualisiert.
Qualitätsoffensive Hannover – Lüneburg mit angepasstem Sperrkonzept
Im Anschluss an die Generalsanierung Hamburg – Berlin sollte nahtlos die als Qualitätsoffensive bezeichnete Sperrung zwischen Hannover und Lüneburg beginnen. Da der Abschnitt Uelzen – Lüneburg noch länger als Umleitungsstrecke benötigt wird, kommt es hier zu Änderungen im Sperrkonzept.
Die Qualitätsoffensive wird wie geplant am 1. Mai 2026 starten, aber zunächst nur mit einer Sperrung zwischen Hannover und Celle. Zum kleinen Fahrplanwechsel am 14. Juni wird dann der gesamte Streckenabschnitt Hannover – Lüneburg gesperrt. Der Umfang der in diesem Konzept durchführbaren Maßnahmen werde laut Angaben der Bahn dementsprechend geringer sein als geplant.
Die genauen Auswirkungen auf die Qualitätsoffensive wird die DB InfraGO zeitnah mit den beauftragten Baufirmen ausarbeiten. Außerdem wird geprüft, nicht durchführbare Maßnahmen neu einzutakten. Gemeinsam mit dem Aufgabenträger werden schließlich auch die Auswirkungen auf das Ersatzkonzept geprüft. Die DB InfraGO werde transparent informieren, sobald die Prüfungen abgeschlossen sind.
Die Bauphasen im Überblick
Demnach stehen nun noch folgende Bauphasen bevor:
bis 14. Mai
- Sperrung Hamburg – Berlin
- ab 1. Mai zusätzliche Sperrung Hannover – Celle
15. Mai bis 13. Juni
- Sperrung Hagenow Land / Holthusen – Berlin
- Sperrung Hannover – Celle
- Sperrung Grevesmühlen – Bad Kleinen
ab 14. Juni
- Sperrung Hannover – Lüneburg
- Sperrung Grevesmühlen – Bad Kleinen
Ersatzverkehr-Dienstleister EcoVista in der Kritik
Der SEV-Dienstleister EcoVista steht seit mehreren Wochen in der Kritik. Der Anbieter hatte zum 1. März seine SEV-Busflotte komplett ausgetauscht. Hintergrund ist ein Kostenstreit beim Fahrzeugleasing – die Kosten seien laut EcoVista deutlich höher als üblich. Seitdem sind die verkehrspurpurnen Leasingfahrzeuge durch einen bunten Mix an anderen Bussen ersetzt worden, die aber scheinbar nicht den vertraglichen Vorgaben entsprechen.
Die DB machte für den Ersatzverkehr Vorgaben für ein einheitliches Erscheinungsbild, aber auch beim Fahrzeugalter, WLAN und der Fahrgastinformation. Alle Fahrzeuge sollen Niederflurfahrzeuge sein. Derzeit kommen Busse mit einem Alter von teils weit über 10 Jahren zum Einsatz, ebenso klassische Reisebusse. In sozialen Medien kursiert ein Video, das einen verschimmelten Sitz in einem SEV-Bus zeigen soll. Die DB soll EcoVista aufgrund der Unzulänglichkeiten bereits abgemahnt haben.
Auch die GPS-Livekarte der DB funktioniert seit dem Flottenwechsel nicht mehr. Eigentlich sollten bereits seit dem vergangenen Wochenende wieder alle Busse mit Echtzeit-Standortdaten angezeigt werden. Eine Stichprobe am Mittwochabend zeigte: Alle verkehrenden Fahrten sind nur mit Solldaten auf der Karte zu sehen – also ohne GPS-Echtzeitdaten.
Titelbild: Bus des DB InfraGO Ersatzverkehr durch ecoVista während der Generalsanierung Hamburg-Berlin im brandenburgischen Wustermark – Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
