Der Nahverkehr an der Westküste zwischen Niebüll und Dagebüll wird aufgewertet: Zum Start des neuen Verkehrsvertrags im Dezember 2025 haben das Land Schleswig-Holstein, die NAH.SH und die Norddeutsche Eisenbahn Niebüll GmbH (neg, Teil der RDC Deutschland Gruppe) eine Reihe von Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebs auf den Weg gebracht. Der neue Verkehrsvertrag hat eine Laufzeit von neun Jahren. In das Maßnahmenpaket investiert das Land rund 23,8 Millionen Euro.
Modernisierung der Stationen
Die Bahnsteige der Halte in Deezbüll, Maasbüll und Dagebüll Mole wurden im vergangenen Jahr durch die neg modernisiert. Seitdem besitzen die Bahnsteige die landesweit einheitliche Bahnsteighöhe von 76 cm, wodurch der Einstieg erleichtert wird. Derzeit werden in Niebüll neg und Dagebüll Mole Hublifte eingesetzt, um mobilitätseingeschränkten Reisenden die Mitfahrt in den noch nicht barrierefreien Zügen zu ermöglichen.
Die Stationen haben Fahrgastinformationen im 2-Sinne-Prinzip (optisch und akustisch), taktile Elemente für seheingeschränkte Personen und neue Warteunterstände erhalten. Der Halt Dagebüll Mole erhielt außerdem in den letzten Jahren eine neue, „architektonisch auffällige Bahnsteighalle“. Das Land Schleswig-Holstein hat diese Maßnahmen bisher mit rund 4,5 Millionen Euro gefördert.
Im aktuellen Landesnahverkehrsplan ist außerdem an der RB 66 Niebüll – Tønder – Esbjerg der Neubau eines Halts Bosbüll geplant, ebenso die Erneuerung der Fahrgastinformation entlang der Strecke und die Modernisierung digitaler Anzeige- und Informationssysteme.
Eine Frischzellenkur für die Fahrzeuge
Für den kommenden Verkehrsvertrag wurden außerdem zwei zusätzliche zweiteilige Triebwagen der Baureihe 628/629 technisch überholt und aufgearbeitet. Damit stehen künftig fünf Fahrzeuge für den Betrieb zur Verfügung.
Dies wird auch nötig, da die DB Fernverkehr AG angekündigt hat, den Kurswagenverkehr von/nach Dagebüll einzustellen. Von einigen Intercity-Zügen werden bisher Wagen abgenommen und an die neg-Züge angehängt. Mit den künftig eingesetzten ICE L-Zügen wird das nicht mehr möglich sein. Außerdem sei vorgesehen die Fahrzeuge bei Bedarf auch an andere Verkehrsunternehmen in Schleswig-Holstein zu vermieten. Zur Kieler Woche half ein Triebwagen bei der nordbahn aus.
Die RDC-Fahrzeuge erhalten einen frischen Anstrich im landesweiten NAH.SH-Design. Der erste zusätzliche Triebwagen ist seit Ostern im Einsatz, der zweite soll demnächst den Betrieb aufnehmen. Hieran hat sich das Land mit ca. 1,9 Millionen Euro beteiligt.
Auch die Infrastruktur wird modernisiert
Auch in die der neg gehörenden Strecke Niebüll – Tønder wird investiert. Zwei Brücken wurden vollständig erneuert und im Januar (nach einigem Verzug…) in Betrieb genommen. Die Erneuerung ist Bestandteil umfassender Maßnahmen zur Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit von bisher 80 km/h auf künftig 120 km/h. Dies soll die Betriebsqualität verbessern und den Fahrplan stabilisieren – dank neuer Fahrzeitpuffer. Davon würden besonders die Anschlüsse in Niebüll und Esbjerg in Dänemark profitieren.
Die Strecke soll in den nächsten Jahren mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS ausgerüstet werden, um wieder einen durchgängigen Fahrzeugeinsatz zu ermöglichen. Derzeit müssen die Fahrgäste zur Weiterfahrt in Tønder umsteigen.
Elektrifizierung der Strecke aufgeschoben
Lange wurde es ruhig um die Elektrifzierung der Strecke Niebüll – Dagebüll. Vor einigen Jahren stellte die neg Pläne vor, die Strecke zu elektrifizieren, damit Züge des Fernverkehrs die Strecke nach Dagebüll befahren können. Nachdem die DB Fernverkehr ihre Pläne diesbezüglich änderte, bestehe nun laut dem Schleswig-Holsteinischen Verkehrsministerium „keine Notwendigkeit einer schnellen Umsetzung“ mehr.
In der Abstimmung mit der neg sei daher beschlossen worden, die Strecke nach Dagebüll erst im Zuge der Marschbahnelektrifizierung auszubauen. Die Arbeiten hierfür sollen erst Anfang der 2030er-Jahre starten – die Planungsarbeiten hierfür haben dieses Jahr begonnen. Insgesamt werden rund 200 Kilometer Strecke elektrifiziert: Der 173 Kilometer lange Abschnitt von Itzehoe bis Westerland auf Sylt und die 26 Kilometer lange Umleiterstrecke Jübek – Husum. Eine frühere Elektrifizierung der neg-Strecke hätte den Aufbau einer separaten Stromversorgung zur Folge, die nun vermieden werden könne, da Dagebüll über die Marschbahn mit Strom versorgt werden soll.
Die neg werde nach Auskunft des Verkehrsministeriums demnächst für alle geplanten Ausbaumaßnahmen an der Strecke nach Dagebüll, die auch eine Verlängerung von Kreuzungsgleisen und ebenfalls eine Erhöhung der Streckenhöchstgeschwindigkeit beinhalten soll, ein gemeinsames Planfeststellungsverfahren beim zuständigen Amt für Planfeststellung Verkehr (APV) beantragen.