NAH.SH: Fahrgastzahlen gesunken, aber über Vor-Corona-Niveau

Die Nachfrage im schleswig-holsteinischen Bahnverkehr liegt weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Nach Angaben von NAH.SH und Verkehrsministerium stieg die Verkehrsleistung zwischen 2019 und 2025 um 19,7 Prozent. Die sogenannten Personenkilometer erhöhten sich in diesem Zeitraum von 1,98 Milliarden auf 2,37 Milliarden. Damit legen Fahrgäste im schleswig-holsteinischen Nahverkehr im Durchschnitt längere Strecken zurück als vor der Pandemie.

Im Vergleich zum Vorjahr ging die Nachfrage 2025 allerdings leicht zurück. Das Minus lag bei 2,7 Prozent. Als Gründe nennen Land und NAH.SH vor allem die vielen Baustellen, Ersatzverkehre und die „weiterhin mäßige Pünktlichkeit“ im Bahnverkehr. Rechnet man den Baustelleneffekt mit den zahlreichen Ersatzverkehren heraus, sei auch für 2025 von einer leichten Nachfragesteigerung auszugehen, so NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck.

Die reine Zahl der Fahrgäste stieg von 2019 bis 2025 weniger stark als die Personenkilometer. Sie lag 2025 bei rund 66,7 Millionen und damit etwa 2,7 Prozent über dem Wert von 2019. Die deutlich stärkere Entwicklung bei den Personenkilometern zeigt nach Angaben des Landes, dass die Fahrgäste im Durchschnitt weitere Wege mit der Bahn zurücklegen.

Deutschlandticket & mehr Angebot – aber auch viele Baustellen

Als Gründe für die langfristig gestiegene Nachfrage nennt das Verkehrsministerium neben dem Deutschlandticket vor allem zusätzliche Kapazitäten und neue beziehungsweise ausgeweitete Angebote. Gleichzeitig bremsen Baustellen, Zugausfälle und Ersatzverkehre die Entwicklung. Besonders deutlich wurde das zuletzt durch die Sanierung des Hochleistungskorridors Hamburg–Berlin, die auch Auswirkungen auf die Bahnlinien Hamburg–Schwerin und Lübeck–Lüneburg hatte.

Auch in den kommenden Jahren rechnet das Land mit weiteren Einschränkungen durch Bauarbeiten. In diesem Sommer wird etwa der Hamburger Hauptbahnhof aus Richtung Norden für mehrere Wochen nur eingeschränkt erreichbar sein. Damit treffen die Bauarbeiten gerade mehrere der wichtigsten Achsen im schleswig-holsteinischen Regionalverkehr.

Land will 20 zusätzliche Akkuzüge bestellen

Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel sieht die hohe Auslastung dennoch als positives Signal. Viele Züge in Schleswig-Holstein seien gut gefüllt. Das zeige, dass der Nahverkehr trotz vorhandener Qualitätsprobleme attraktiv sei. Zugleich dürfe man sich darauf nicht ausruhen: Für die größere Nachfrage müssten auch ausreichende Kapazitäten bereitgestellt werden. Das Land wolle deshalb unter anderem 20 zusätzliche Akkuzüge bestellen.

Mit den Akkuzügen hat Schleswig-Holstein in den vergangenen Jahren bereits einen großen Schritt bei der Elektrifizierung des Regionalverkehrs gemacht. 2019 bestellte das Land 55 zweiteilige Stadler FLIRT Akku, die seit 2023 bei erixx Holstein und der nordbahn eingesetzt werden. Damit ging in Schleswig-Holstein die erste größere BEMU-Flotte im deutschen Regionalverkehr in den Regelbetrieb. Die Fahrzeuge können unter Fahrdraht fahren und laden, auf nicht elektrifizierten Abschnitten aber im Batteriebetrieb verkehren. Durch die Inbetriebnahme der 55 Akkuzüge konnte der Regionalverkehr auf elf Linien elektrifiziert werden. Die Elektrifizierungsquote stieg damit von 29 auf fast 70 Prozent an.

Stärkste Strecken Richtung Hamburg

Die nachfragestärksten Bahnstrecken in Schleswig-Holstein bleiben die großen Achsen Richtung Hamburg. Dazu gehören die Verbindungen Kiel/Flensburg – Hamburg (RE 7, RE 70), Westerland – Hamburg (RE 6) und Lübeck – Hamburg (RE 8, RE 80). Den stärksten prozentualen Zuwachs seit 2019 verzeichnete nach Angaben von NAH.SH die Linie RB 73 zwischen Eckernförde und Kiel mit einem Plus von 157 Prozent.

Gerade die starken Hamburg-Achsen stehen zugleich vor weiteren baulichen Herausforderungen. Die Strecke von und nach Hamburg ist für Schleswig-Holstein zentral, weil sich dort viele Pendlerverkehre, Fernverkehrsanschlüsse und touristische Verkehre bündeln. Jede größere Einschränkung im Hamburger Bahnknoten wirkt sich deshalb unmittelbar auch auf den Regionalverkehr im Land aus.

Busverkehr entwickelt sich ähnlich

Eine ähnliche Entwicklung sieht das Land auch im Busverkehr. In den vergangenen Jahren hatten mehrere Kreise und kreisfreie Städte ihr Angebot teils deutlich ausgeweitet. Nach Darstellung des Verkehrsministeriums ist der Erfolg auf der Schiene eng mit einem attraktiven Busverkehr verknüpft, weil viele Bahnfahrten erst durch passende Anschlüsse vor Ort sinnvoll nutzbar werden.

Verkehrsstaatsrätin Henckel verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Kommunen, die mit inzwischen 65 neuen NAH.SH-Bike-and-Ride-Anlagen den Umstieg auf die Bahn erleichtert hätten. Diese Anlagen werden vom Land gefördert und sollen die Verknüpfung von Fahrrad und Bahn verbessern.

Gemeinsame Datengrundlage geplant

Künftig sollen die Nachfragezahlen für den gesamten Verbundverkehr einheitlich durch die NAH.SH zusammengestellt werden. Damit soll eine bessere Grundlage entstehen, um die Entwicklung im Bahn-, Bus- und ergänzenden Mobilitätsangebot gemeinsam zu betrachten.

Aus Sicht des Landes reichen einzelne Verkehrsmittel dabei nicht aus. Entscheidend sei eine gute Abstimmung zwischen Bus, Bahn, On-Demand-Angeboten und Sharing-Angeboten sowie eine einfache Nutzung und transparente Kommunikation. Das gelte besonders mit Blick auf die vielen Baustellen auf Schiene und Straße, die den Nahverkehr in den kommenden Jahren weiter herausfordern werden.

Für die NAH.SH bleibt die grundsätzliche Richtung trotz des leichten Rückgangs im Jahr 2025 eindeutig: Es nutzen mehr Menschen den Nahverkehr als vor der Pandemie. Damit der Trend anhält, müssten allerdings vor allem die Qualitätsthemen im Bahnverkehr besser in den Griff bekommen werden.