Nach sechs Jahren an der Spitze des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein (NAH.SH) ist Dr. Arne Beck als Geschäftsführer ausgeschieden. Seit dem 4. September 2026 gehört der 50-jährige Volkswirt und Mobilitätsexperte nicht mehr der Geschäftsführung an. Seinen Abschied kündigte er bereits Ende vergangenen Jahres an: Weil er sich beruflich und privat orientieren wolle, würde er seinen nun ausgelaufenen Vertrag nicht verlängern wollen.
Beck hatte die Geschäftsführung der NAH.SH genau sechs Jahre zuvor am 4. September 2020 von Bernhard Wewers übernommen, der selbst viele Jahre an der Spitze der Nahverkehrsgesellschaft gestanden hatte. In Becks Amtszeit fielen mehrere weitreichende Veränderungen im schleswig-holsteinischen Nahverkehr – darunter die Einführung der neuen Akkuzugflotte, neue Verkehrsangebote im ländlichen Raum (SMILE24) und zugleich anhaltende Bemühungen um eine bessere Betriebsqualität im Regionalverkehr.
Doppelspitze erst seit Januar
Erst Anfang dieses Jahres war die Geschäftsführung der NAH.SH neu aufgestellt worden. Mit Birgit Austen erhielt der Nahverkehrsverbund im Januar 2026 eine zweite Geschäftsführerin. Beck blieb Sprecher der Geschäftsführung und verantwortete unter anderem Infrastrukturprojekte sowie die Verkehrsverträge mit den Eisenbahn- und Busunternehmen.
Diese Doppelspitze endet nun nach weniger als acht Monaten wieder. Austen führt die NAH.SH nach Becks Ausscheiden bis auf Weiteres allein. Parallel läuft das Auswahlverfahren für seine Nachfolge. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Verkehrsministeriums soll darüber in den kommenden Wochen entschieden werden.
55 Akkuzüge gehen während Becks Amtszeit in Betrieb
Eine der größten Veränderungen im Regionalverkehr während Becks Amtszeit war die Einführung der neuen batterieelektrischen Regionalzüge. Insgesamt hatte das Land gemeinsam mit der NAH.SH 55 zweiteilige FLIRT Akku-Triebzüge von Stadler beschafft, die ältere Dieseltriebwagen auf zahlreichen nicht durchgehend elektrifizierten Strecken ersetzen sollen. Die ersten Fahrzeuge gingen im Oktober 2023 in den regulären Fahrgastbetrieb, anschließend wurde ihr Einsatz schrittweise auf weitere Linien ausgeweitet.
Parallel entstand in Rendsburg ein neues Stadler-Instandhaltungswerk für die Flotte. Die Akkuzüge können mindestens 80 Kilometer ohne Oberleitung zurücklegen und werden an vorhandenen oder eigens errichteten Oberleitungsabschnitten geladen. Mit der Inbetriebnahme konnte ein erheblicher Teil des Regionalverkehrs elektrifziert werden.
Die Einführung neuer Fahrzeuge bedeutete allerdings nicht, dass sich alle Qualitätsprobleme im Bahnverkehr lösen ließen. Insbesondere Infrastrukturstörungen und Bauarbeiten sorgten während der vergangenen Jahre wiederholt für Einschränkungen. Anfang 2024 bezeichneten Land und Deutsche Bahn die Pünktlichkeit und Qualität im schleswig-holsteinischen Bahnverkehr selbst als unzureichend und vereinbarten einen Zehn-Punkte-Plan, um die Situation zu verbessern.
„SMILE24“ erprobt Nahverkehr auf dem Land
Zum Abschied hebt das Land besonders Becks Engagement für das Projekt SMILE24 hervor. Das Modellprojekt startete in der Schlei-Region und soll erproben, wie sich auch in einem dünner besiedelten und touristisch geprägten Gebiet ein umfangreiches Nahverkehrsangebot ohne eigenes Auto schaffen lässt.
Dafür wurden bestehende Busverbindungen ausgebaut und durch neue Angebote ergänzt. Einen wesentlichen Bestandteil bilden buchbare Kleinbusse unter der Marke NAHSHUTTLE, die Fahrgäste je nach Bedarf abholen und mit dem übrigen Nahverkehr verknüpfen. Hinzu kamen unter anderem Fahrrad- und Elektroauto-Sharing. Der Bund stellte für das zunächst als Modellprojekt angelegte Vorhaben knapp 30 Millionen Euro bereit, das Land weitere 7,5 Millionen Euro.
SMILE24 wurde 2024 unter anderem mit dem Deutschen Mobilitätspreis ausgezeichnet. Teile des entwickelten Angebots wurden inzwischen verstetigt; die mit dem Projekt erprobte Marke NAHSHUTTLE wurde zudem zum Ausgangspunkt für ein landesweit einsetzbares System für On-Demand-Verkehre.
Aufsichtsrat würdigt Becks Arbeit
Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel, zugleich Vorsitzende des NAH.SH-Aufsichtsrats, würdigte zum Abschied insbesondere Becks Engagement für SMILE24, die Qualität im Bahnverkehr, neue Fahrzeuge und die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Hamburger Verkehrsverbund. „Er hat für NAH.SH und für den Nahverkehr im Land viel erreicht“, erklärte Henckel.
Wohin es Beck nach seinem Ausscheiden zieht, ist bislang nicht bekannt. Bereits bei der Ankündigung seines Abschieds Ende 2025 hatte er lediglich erklärt, sich beruflich und privat neu orientieren zu wollen.
Titelbild: NAH.SH
