Die HOCHBAHN hat das Geschäftsjahr 2025 mit neuen Höchstwerten bei Fahrgastzahlen und Investitionen abgeschlossen. Mehr als 552 Millionen Fahrgäste nutzten im vergangenen Jahr die U-Bahnen und Busse des Unternehmens. Damit lag die Nachfrage leicht über dem Vorjahr und zugleich über dem für 2025 gesetzten Zielwert. Auch bei der Pünktlichkeit sieht sich die HOCHBAHN auf einem hohen Niveau: Nach Angaben des Unternehmens waren die U-Bahnen 2025 zu 98 Prozent pünktlich, die Busse zu 94 Prozent.
Gleichzeitig stiegen die Bruttoinvestitionen auf 938,5 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert nach Unternehmensangaben die größte Investitionsoffensive in der Geschichte der HOCHBAHN. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau und der Modernisierung des U-Bahn- und Busnetzes: 749,3 Millionen Euro entfielen auf den Bereich U-Bahn, 180,6 Millionen Euro auf den Busbereich.
„Wir setzen aktuell die größte Investitionsoffensive unserer Unternehmensgeschichte um und schaffen damit die Grundlage der Mobilität für die kommenden Jahre“, sagte Jens-Günter Lang, Technikvorstand und Sprecher des HOCHBAHN-Vorstands, bei der Jahrespressekonferenz vergangene Woche. Die Investitionen sollen vor allem in neue Strecken, neue Fahrzeuge, elektrische Busse und Betriebshöfe fließen.
Investitionen vor allem in U-Bahn-Ausbau und neue Fahrzeuge
Mehr als die Hälfte der Investitionssumme entfiel auf zwei große Blöcke: den U-Bahn-Neubau und die neue Fahrzeuggeneration DT6. In den U-Bahn-Neubau flossen 322 Millionen Euro, für die Beschaffung des DT6 wurden 260 Millionen Euro aufgewendet. Die neue Fahrzeuggeneration soll sowohl auf der künftigen vollautomatischen U5 als auch im bestehenden Netz eingesetzt werden. Bestellt wurden zunächst 48 Fahrzeuge aus dem 2024 geschlossenen Rahmenvertrag: sieben DT6-A für den automatisierten Betrieb und 41 DT6-F mit Fahrerstand für das Bestandsnetz. Die ersten Fahrzeuge sollen 2027 – nach bisherigen Erkenntnissen pünktlich – geliefert werden. Insgesamt kann die HOCHBAHN über ihren Rahmenvertrag mit ALSTOM bis zu 374 Neufahrzeuge vom Typ DT6 bestellen. Bereits vor einigen Wochen war jedoch durchgesickert, dass diese Optionen wohl nicht voll ausgeschöpft und ältere Fahrzeuge des Typs DT4 länger eingesetzt werden sollen.
Auch beim Bau der U5 sieht sich die HOCHBAHN weiter im Zeitplan. Der erste Abschnitt ist im Rohbau weit fortgeschritten, der Testbetrieb soll ab 2027 beginnen. Parallel laufen Planfeststellung und Entwurfsplanung für weitere Abschnitte. Zudem hat die Planung für die Verlängerung nach Lurup und Osdorf begonnen („U5 West“). Damit soll die U5 langfristig auch den Hamburger Westen neu an das Schnellbahnnetz anbinden. Die HOCHBAHN verweist beim U5-Bau zudem auf eine deutlich reduzierte CO₂-Bilanz gegenüber herkömmlichen Bauweisen: Durch neue Technologien und angepasste Bauverfahren soll der CO₂-Ausstoß im Bau um rund 70 Prozent gesenkt werden.
Neben der U5 bleibt auch die Verlängerung der U4 ein zentrales Ausbauprojekt. Beim Projekt U4 Horner Geest sind nach Angaben der HOCHBAHN wesentliche Meilensteine erreicht: Das Richtfest an der neuen Haltestelle Horner Geest im Juli 2025 leitete die finale Bauphase ein. Die Inbetriebnahme mit zwei neuen Haltestellen ist weiterhin für Ende 2027 vorgesehen. Aktuell läuft der Gleisbau und technische Ausbau.
Auch die südliche Verlängerung der U4 auf den Grasbrook wird vorbereitet. Die Planungen dafür sind abgeschlossen, das Planfeststellungsverfahren wurde gestartet. Damit rückt nach der Horner Geest ein weiterer Ausbauast der U4 in den Fokus. Seit Montag ist eine Planänderung ausgelegt – was möglicherweise zu Verzögerungen im weiteren Terminplan führen kann.
Beim Projekt U-Bahn100, mit der ein halbautomatischer Betrieb auf den Linien U2 und U4 eingeführt werden soll, meldet die HOCHBAHN ebenfalls Fortschritte. Auf Teilabschnitten der Linien U2 und U4 ist die Automatisierungstechnik inzwischen montiert, erste Testfahrten haben auf der Linie U4 bereits stattgefunden. Der nötige Umbau der DT5-Fahrzeuge schreitet planmäßig voran: Alle zwei Wochen kehren zwei Fahrzeuge vom Umbau in Salzgitter zurück. Im Herbst 2026 wird das 100. von 163 Fahrzeugen fertiggestellt.
Vorangebracht wurde auch die geplante neue U3-Haltestelle Fuhlsbüttler Straße. Der Planfeststellungsbeschluss liegt inzwischen vor. Der Bau der neuen Haltestelle soll im nächsten Jahr starten. Die Inbetriebnahme ist für 2029 vorgesehen.
96 Prozent der U-Bahn-Haltestellen barrierefrei
Beim barrierefreien Ausbau des U-Bahn-Netzes meldet die HOCHBAHN einen Ausbaugrad von 96 Prozent. 89 der insgesamt 93 U-Bahn-Haltestellen sind demnach bereits barrierefrei ausgebaut. Mit der U3-Haltestelle Saarlandstraße soll in diesem Jahr die 90. Station folgen.
Nicht alle verbliebenen Stationen werden allerdings im klassischen Bestand ausgebaut. Für die U3-Haltestelle Sierichstraße soll die Bauvorbereitung 2027 beginnen. Die U3-Haltestelle Sternschanze soll im Rahmen eines Neubaus barrierefrei werden. Die U1-Haltestelle Kiekut ist wegen sehr niedriger Fahrgastzahlen und einer bestehenden barrierefreien Busanbindung weiterhin nicht für einen Umbau vorgesehen.
Ergebnis bleibt trotz Rekordnachfrage angespannt
Trotz Rekordnachfrage und leicht gestiegenem Umsatz bleibt die wirtschaftliche Lage herausfordernd. Der Umsatz der HOCHBAHN stieg 2025 um 0,9 Prozent auf 675,4 Millionen Euro. Gleichzeitig belasten steigende Kosten für Personal, Energie und Instandhaltung das Ergebnis.
Für 2025 weist die HOCHBAHN einen Jahresfehlbetrag von 316,2 Millionen Euro aus. Erstmals ist darin auch das Ergebnis der Unternehmenstochter HADAG enthalten, das mit minus 19,2 Millionen Euro einfloss. Ohne diesen Effekt bewegt sich der Fehlbetrag nach Angaben des Unternehmens über die vergangenen drei Jahre bei rund 290 Millionen Euro. Gegenüber der ursprünglichen Prognose fiel das Ergebnis aber um 61,7 Millionen Euro besser aus.
Finanzvorständin Merle Schmidt-Brunn betonte, die hohen Investitionen seien Teil der strategischen Ausrichtung der HOCHBAHN als Unternehmen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Zugleich verweist das Unternehmen auf nachhaltige Finanzierungsinstrumente. Zum dritten Mal in Folge erhielt die HOCHBAHN von S&P Global die Bestbewertung „Dark Green“ für die nachhaltige Ausrichtung ihrer Investitionsprojekte. Zusätzlich verweist das Unternehmen auf ein „AAA“-Rating der Agentur Fitch sowie eine 2025 erstmals erhaltene ISO-50001-Zertifizierung für das Energiemanagementsystem der HOCHBAHN und ihrer Töchter FFG und HADAG.
Busflotte wird weiter elektrifiziert
Im Busbereich konzentrieren sich die Investitionen weiter auf elektrische Fahrzeuge und die dazugehörige Infrastruktur. Im Mai 2026 lag die Elektrifizierungsquote der HOCHBAHN-Busflotte bei 39 Prozent. 432 Busse waren damit ohne lokalen CO₂-Ausstoß im Einsatz.
Für die verbleibenden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor setzt die HOCHBAHN übergangsweise auf HVO-Kraftstoff. Das hatte die HOCHBAHN bereits im letzten Jahr angekündigt. Inzwischen kann nach Unternehmensangaben mehr als die Hälfte der verbleibenden Busse mit Verbrennungsmotor damit betankt werden. Zugleich verweist die HOCHBAHN auf steigende Anforderungen an die Krisenfestigkeit der Flotte. Neben dem langfristigen Ziel einer elektrischen Busflotte spielt deshalb auch die verlässliche Einsatzfähigkeit des Gesamtsystems eine Rolle.
Wichtiger Baustein für den weiteren Ausbau ist der neue Busbetriebshof Meiendorf. Er ist der erste Betriebshof der HOCHBAHN, der planmäßig ausschließlich für Elektrobusse ausgelegt ist. Die Fertigstellung ist für Mitte 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme soll zum Fahrplanwechsel im Dezember folgen. Zusätzlich werden bestehende Betriebshöfe mit Ladeinfrastruktur ausgerüstet. Außerdem baut die HOCHBAHN einen neuen technischen Betriebshof am Rübenkamp (Ecke Hellbrookstraße).
Auch an den Busanlagen Harburg und Rahlstedt wird weiter gearbeitet. Die Busanlage Harburg wird seit Juni 2024 umgebaut und soll zum Jahreswechsel fertiggestellt werden. Mit rund 40.000 Fahrgästen täglich zählt sie zu den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten im Hamburger Süden. In Rahlstedt befindet sich das Projekt in der finalen Bauphase: Fertigstellung und Inbetriebnahme sind noch für dieses Jahr vorgesehen.
Autonomes Fahren und neue digitale Angebote
Ein weiteres Zukunftsfeld bleibt das autonome Fahren. Mit dem AD-Hub wurde im Dezember 2025 der erste speziell für autonome Fahrzeuge konzipierte Betriebshof der HOCHBAHN fertiggestellt. Im Rahmen des Projekts ALIKE sind autonome Shuttles des Herstellers HOLON bereits regelmäßig zu Testfahrten auf Hamburger Straßen unterwegs. Die HOCHBAHN sieht darin einen möglichen Baustein für künftige Mobilitätsangebote. Hier geht es allerdings etwas schleppender als geplant voran: Erst im Herbst 2026 erhält die HOCHBAHN weitere Fahrzeuge und erst dann soll der Probebetrieb zunächst mit Mitarbeitern beginnen.
Auch bei digitalen Angeboten setzt das Unternehmen auf weitere Bündelung. Ende Juni wurde StadtRAD Hamburg in die hvv switch App integriert. Die App hat inzwischen mehr als zwei Millionen registrierte Nutzer. HOCHBAHN und hvv arbeiten nach Angaben aus der Jahrespressekonferenz zudem an einer klareren App-Strategie für Hamburg, die sich auf ÖPNV-Kundinnen und -Kunden konzentrieren und zugleich offen für überregionale Partner bleiben soll. Das klingt nach der im vergangenen Jahr angekündigten MAX-App, um die zuletzt politisch wie Medienberichten zufolge auch intern gestritten wurde – ein klares Bekenntnis klingt jedenfalls anders.
Für mehr Transparenz bei zentralen Kennzahlen hat die HOCHBAHN im September 2025 außerdem den sogenannten Erfolgskompass eingeführt. Dort werden unter anderem Werte zu Wirtschaftlichkeit, Kundenzufriedenheit und Pünktlichkeit sichtbar gemacht.
Sauberkeit und Sicherheit im Fokus
Neben großen Bauprojekten sollen auch konkrete Verbesserungen im Alltag der Fahrgäste vorangetrieben werden. Auf der U3 läuft seit einigen Monaten ein Pilotprojekt, bei dem Verschmutzungen per QR-Code gemeldet werden können. Die Auswertung soll im Spätsommer erfolgen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Sicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr. Die HOCHBAHN-WACHE wurde 2025 um 40 Stellen verstärkt, für 2026 ist ein weiterer Aufbau um 60 Stellen vorgesehen. Seit August 2025 kommen zudem Bodycams zum Einsatz. Darüber hinaus testet die HOCHBAHN KI-gestützte Verfahren zur Erkennung sicherheitsrelevanter Muster in Videobildern.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, Cyberangriffen, Sabotagerisiken und Extremwetterereignissen will die HOCHBAHN außerdem ihre Krisenfähigkeit weiter stärken. Als Betreiber kritischer Infrastruktur müsse das Unternehmen nicht nur auf einzelne Risiken reagieren, sondern insgesamt widerstandsfähiger werden.
Mehr als 25.000 Bewerbungen im Jahr 2025
Auch beim Personal sieht sich die HOCHBAHN gut aufgestellt. Das Unternehmen beschäftigt rund 7.000 Menschen. Für offene Stellen gingen 2025 mehr als 25.000 Bewerbungen ein. Rund 650 Personen wurden neu eingestellt, davon fast ein Viertel über Empfehlungen von Mitarbeitenden. Die Weiterempfehlungsquote wird mit 80 Prozent angegeben.
