Beim Nachtzug zwischen Berlin, Hamburg und Stockholm beginnt heute ein neues Kapitel. Zum 1. September 2026 hat RDC Deutschland die Verantwortung für den bisherigen SJ EuroNight übernommen und führt die Verbindung künftig vollständig eigenwirtschaftlich weiter. Damit bleibt der Nachtzug trotz des Rückzugs der schwedischen Staatsbahn SJ erhalten. Fahrkarten für den nun als RDC EuroNight vermarkteten Zug sind bereits seit Anfang Juni über die Buchungsportale von RDC erhältlich.
Der RDC EuroNight 344/345 verkehrt weiterhin ganzjährig dreimal pro Woche in beide Richtungen auf der rund 1.500 Kilometer langen Strecke. Montags und freitags beginnt die Fahrt nach Schweden um 18:39 Uhr in Berlin, mittwochs startet der Zug erst um 21:53 Uhr in Hamburg. Stockholm wird jeweils am folgenden Morgen um 9:45 Uhr erreicht. Von Hamburg beträgt die Reisezeit damit knapp zwölf Stunden. In der Gegenrichtung fährt der Nachtzug dienstags, donnerstags und sonnabends um 17:29 Uhr in Stockholm ab. Die Dienstagsfahrt endet am folgenden Morgen um 5:53 Uhr in Hamburg, donnerstags und sonnabends geht es weiter bis Berlin.
Zum Einsatz kommen weiterhin Sitz-, Liege- und (bis zu fünf) Schlafwagen. Die Wagen wurden bisher beim SJ EuroNight eingesetzt – am Wagenmaterial ändert sich also nichts. Auch ein Teil des Personals und der betrieblichen Leistungen kamen schon bislang von RDC.
Seit 2022 nachts von Hamburg nach Stockholm
Der nun von RDC übernommene EuroNight ist vergleichsweise jung. Hintergrund war eine Initiative der schwedischen Regierung für bessere Nachtzugverbindungen nach Kontinentaleuropa. Trafikverket schrieb daraufhin einen staatlich unterstützten Nachtzug zwischen Stockholm und Hamburg aus. Den Zuschlag erhielt SJ, das den Betrieb am 1. September 2022 aufnahm. RDC war von Beginn an als deutscher Betriebspartner beteiligt.
Ursprünglich endete der Zug in Deutschland in Hamburg-Altona. Zum 31. März 2023 verlängerte SJ die Verbindung zunächst für das Sommerhalbjahr nach Berlin. Nach Angaben des Unternehmens war das Interesse an der Verlängerung größer als erwartet, sodass der Laufweg dauerhaft verlängert wurde. Damit entstand eine umsteigefreie Nachtzugverbindung von der deutschen Hauptstadt über Hamburg, Dänemark und Malmö bis Stockholm.
Die Aufgaben waren dabei von Anfang an auf mehrere Unternehmen verteilt. RDC stellte unter anderem Wagenmaterial, Traktion und Betriebspersonal für den deutschen Abschnitt. Seit 2022 hat das Unternehmen damit bereits praktische Erfahrung mit genau jener Verbindung gesammelt, die es nun in eigener Verantwortung weiterführt.
Staatliche Förderung in Schweden ausgelaufen
Grund für den jetzt erfolgten Betreiberwechsel ist das Ende des schwedischen Verkehrsvertrags für den internationalen Nachtzug. Die schwedische Verkehrsbehörde Trafikverket hatte die Verbindung Stockholm–Hamburg ausgeschrieben und die schwedische Staatsbahn SJ ab 2022 mit ihrem Betrieb beauftragt. Nach Angaben von Trafikverket wurde der Verkehr zuletzt mit rund 79 Millionen Schwedischen Kronen pro Jahr unterstützt. 2025 nutzten rund 123.000 Fahrgäste die Verbindung. Der Fördervertrag lief Ende Juli 2026 aus; SJ führte den Zug anschließend noch bis zum 31. August weiter.
SJ hatte deshalb angekündigt, den EuroNight zu Ende August einzustellen. RDC erklärte dagegen bereits im Oktober vergangenen Jahres, die Verbindung anschließend auf eigenes wirtschaftliches Risiko fortführen zu wollen. Das Unternehmen sieht die bisherigen Jahre als Beleg dafür, dass sich internationale Nachtzüge auch unter schwierigen betrieblichen Rahmenbedingungen etablieren können. Anders als bisher erhält der RDC EuroNight für den Weiterbetrieb nun aber keine schwedische Betriebskostenförderung mehr.
Die schwedische Staatsbahn unterstützt RDC zunächst weiterhin auf dem skandinavischen Abschnitt. RDC übernimmt die Gesamtverantwortung als Eisenbahnverkehrsunternehmen. In Deutschland war das Unternehmen schon seit 2022 Partner von SJ und für den Zugbetrieb zwischen Berlin beziehungsweise Hamburg und der dänischen Grenze verantwortlich.
Zwei Nachtzüge zwischen Hamburg und Schweden
Auch das private schwedische Unternehmen Snälltåget fährt zwischen Deutschland und Stockholm. Dessen Geschichte auf der Verbindung nach Deutschland reicht bis 2012 zurück, als der damalige Betreiber Veolia den früheren Berlin-Night-Express von SJ übernahm. Seit 2021 führt Snälltåget seine Nachtzüge über die feste Landverbindung durch Dänemark bis Stockholm, bis dahin ging es per Schiff über die Ostsee. Heute halten die Züge ebenfalls in Hamburg und verkehren während großer Teile des Jahres weiter nach Berlin.
Das Angebot wurde zuletzt sogar erweitert: Seit Mai 2026 fährt Snälltåget zusätzlich mit einem täglichen Tageszug von Hamburg über Kopenhagen und Malmö nach Stockholm. Die Fahrzeit beträgt rund elf Stunden. Damit bestehen zwischen Hamburg und Stockholm inzwischen sowohl tagsüber als auch nachts mehrere direkte Angebote unterschiedlicher Betreiber.
RDC plant weiteren Nachtzug nach Skandinavien
RDC will sein Engagement im Nachtzugverkehr nach Skandinavien derweil weiter ausbauen. Gemeinsam mit European Sleeper plant das Unternehmen für April 2028 einen neuen Nachtzug von Brüssel über Amsterdam und Kopenhagen nach Malmö. Vorgesehen sind drei Fahrten pro Woche und Richtung mit Abfahrten gegen 19 Uhr in Brüssel beziehungsweise Malmö und Ankünften gegen 10 Uhr am folgenden Morgen.
Das genaue Fahrplankonzept ist noch in Vorbereitung, die formelle Anmeldung der benötigten Trassen soll im April 2027 erfolgen. Angeboten werden sollen auch hier Sitz-, Liege- und Schlafwagen. Zusätzlich wird der Einsatz von Wagen mit höherwertigen Schlafabteilen mit eigenem Bad geprüft. RDC arbeitet bereits bei anderen Verbindungen als Fahrzeugpartner mit dem niederländisch-belgischen Nachtzuganbieter European Sleeper zusammen.
