Die mögliche Verlängerung der U5 über den Osdorfer Born hinaus bis nach Schenefeld wird nun konkret untersucht. Hamburg und der Kreis Pinneberg einigten sich über eine neue Machbarkeitsuntersuchung, nachdem die für eine mögliche S-Bahn-Strecke zuletzt keine Umsetzung empfahl. Untersucht werden sollen unter anderem eine mögliche Trassenführung und Haltestellenlage, die technische und betriebliche Umsetzbarkeit sowie das Nutzen-Kosten-Verhältnis und die späteren Folgekosten. Mit der Durchführung wird die HOCHBAHN beauftragt.
Da der überwiegende Teil der Strecke auf schleswig-holsteinischem Gebiet liegen würde, übernimmt der Kreis Pinneberg die Federführung und nach der nun geschlossenen Vereinbarung auch die Finanzierung der Untersuchung. Hamburg beteiligt sich insbesondere bei Fragen zum auf Hamburger Gebiet liegenden Streckenabschnitt. Auch das Land Schleswig-Holstein und die Stadt Schenefeld unterstützen das Vorhaben. Für eine U-Bahn liegt die Aufgabenträgerschaft auf schleswig-holsteinischer Seite – anders als bei der zuletzt untersuchten S-Bahn – beim Kreis.
Im Frühjahr hatte der zuständige Verkehrsausschuss des Kreises Pinneberg der Untersuchung einstimmig zugestimmt. Seinerzeit wurden die Kosten der Machbarkeitsuntersuchung mit rund 535.000 Euro angegeben. Für einen möglichen Bau der Verlängerung wurden in der Beschlussvorlage grob 450 bis 500 Millionen Euro genannt. Wie teuer eine tatsächlich umsetzbare Variante wäre, gehört nun allerdings gerade zu den Fragen, die näher untersucht werden sollen.
„Die U5 bis nach Schenefeld ist eine enorme Chance für den Kreis Pinneberg und die Stadt Schenefeld“, erklärte Landrätin Elfi Heesch. Eine Schnellbahnanbindung könne den ÖPNV leistungsfähiger machen und die Standortqualität verbessern. Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof hofft insbesondere auf eine Alternative für die zahlreichen Pendler. Die heute knapp 20.000 Einwohner zählende Stadt grenzt unmittelbar an Hamburg, besitzt bislang aber keinen eigenen Bahnanschluss.
U5 endet nach heutiger Planung am Osdorfer Born
Ausgangspunkt der neuen Untersuchung ist die inzwischen festgelegte Planung für die U5 im Hamburger Westen. Hamburg hatte im September 2025 entschieden, die U5 nicht mehr an den Arenen enden zu lassen, sondern über Lurup bis zum Osdorfer Born weiterzuführen. Im Mai diesen Jahres wurde die Vorzugsvariante festgelegt: Von den Arenen führt die Strecke zur neuen Haltestelle Lurup Mitte am Lüttkamp und anschließend zur Endhaltestelle Osdorfer Born in der Kroonhorst unmittelbar am Born Center. Die zu untersuchende Verlängerung nach Schenefeld soll möglichst in das laufende U5-Projekt integriert und um das Jahr 2040 fertiggestellt werden.
Bei der Auswahl der Trasse der U5 West wurde bereits berücksichtigt, dass eine spätere Verlängerung nach Schenefeld nicht verbaut werden darf, so bietet die Ost-West-Ausrichtung der künftigen Station Osdorfer Born grundsätzlich eine hierfür geeignete Ausgangslage. Wie die U5 anschließend die Landesgrenze queren und wo sie in Schenefeld enden könnte, ist dagegen noch offen und wird nun untersucht.
Erst sollte die S32 Schenefeld anbinden
Die Frage, mit welchem Schnellbahnsystem Schenefeld erreicht werden könnte, beschäftigt Hamburg und Schleswig-Holstein bereits seit Jahren. Noch 2019 hatte sich Hamburg bei der Erschließung von Lurup und Osdorf gegen die U5 und für eine neue S-Bahn-Strecke entschieden. Die damalige Machbarkeitsuntersuchung kam zu dem Ergebnis, dass sowohl eine U-Bahn als auch eine S-Bahn grundsätzlich realisierbar wären. Die U5 hätte eine etwas größere Nachfrage erzeugt, die damalige S32 wäre dagegen günstiger gewesen. Ausschlaggebend für die S-Bahn waren insbesondere die direkte Führung über die Science City Bahrenfeld sowie die stärkere Orientierung von Lurup und Osdorf in Richtung Altona und Innenstadt.
Die zunächst als S32 bezeichnete Strecke wurde mit der Neuordnung des Hamburger S-Bahn-Netzes zur künftigen S6. Auch eine Weiterführung vom Osdorfer Born nach Schenefeld wurde anschließend konkret untersucht. Schleswig-Holstein nahm das Vorhaben in den Landesweiten Nahverkehrsplan 2022–2027 auf: Vorgesehen war eine knapp zwei Kilometer lange Verlängerung bis ins Schenefelder Stadtzentrum, deren Finanzierung und Zeithorizont damals noch offen waren.
Frühere S-Bahn-Untersuchung scheiterte an der Wirtschaftlichkeit
Eine im Auftrag von NAH.SH erstellte Machbarkeitsstudie von 2023 brachte für die S-Bahn-Verlängerung allerdings ein ernüchterndes Ergebnis. Von vier untersuchten Trassenvarianten erwies sich eine als technisch nicht umsetzbar. Drei weitere Varianten mit unterschiedlichen Lagen der Endstation in Schenefeld waren grundsätzlich machbar. Bei der vereinfachten Nutzen-Kosten-Untersuchung erreichten sie jedoch lediglich Werte zwischen 0,4 und 0,6. Für eine Förderung wäre ein Wert über 1 erforderlich gewesen. Die Studie empfahl deshalb keine der untersuchten Varianten zur Umsetzung.
Dabei war der Nutzen für die Fahrgäste durchaus positiv bewertet worden: Die Untersuchung sah kürzere Reisezeiten, eine bessere Erreichbarkeit des Schenefelder Zentrums und eine städtebauliche Aufwertung. Dem standen jedoch die hohen Kosten des vollständig unterirdischen Neubaus gegenüber. Die Studie hielt ausdrücklich offen, dass eine umfassendere Untersuchung oder ein größer gefasster Untersuchungsraum künftig zu einem anderen Ergebnis führen könnte.
Die S-Bahn-Verlängerung verschwand anschließend aus den Planungen des Landes. Während sie im LNVP 2022–2027 noch als mögliches Projekt geführt wurde, ist eine Schnellbahnanbindung Schenefelds im neuen Landesweiten Nahverkehrsplan 2027–2031 nicht mehr enthalten.
Hamburg änderte 2025 seine Pläne für den Westen
Die Ausgangslage änderte sich im vergangenen Herbst grundlegend. Hamburg entschied, die S6 künftig nur noch bis zur Science City Bahrenfeld zu führen und Lurup sowie den Osdorfer Born stattdessen mit der U5 zu erschließen. Als wesentlichen Grund nannte der Senat den Zeitplan: Eine S6 bis Osdorf wäre demnach erst ungefähr 2050 betriebsbereit gewesen, die U5 soll dagegen etwa zehn Jahre früher fertig sein. Hinzu kommen betriebliche Unterschiede: Für die S6 war nur ein 10-Minuten-Takt vorgesehen, während die vollautomatische U5 – jedenfalls im Hamburger Abschnitt – grundsätzlich einen deutlich dichteren Takt ermöglichen soll.
Anfang 2026 nahm Schleswig-Holstein die veränderte Hamburger Planung zum Anlass, die U5-Variante erneut aufzugreifen. Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg, Schenefeld, Hamburg und die U5-Projektgesellschaft kamen über eine mögliche Fortsetzung bis über die Landesgrenze ins Gespräch.
Wirtschaftlichkeit muss erneut nachgewiesen werden
Dass die frühere S-Bahn-Untersuchung negativ ausfiel, entscheidet damit noch nicht über die U5. Die neue Untersuchung setzt auf einem anderen Schnellbahnsystem, einer inzwischen konkretisierten U5-Trasse und veränderten betrieblichen Rahmenbedingungen auf. Sie muss jedoch erneut zeigen, ob der zusätzliche Nutzen einer Verbindung nach Schenefeld die hohen Investitions- und Folgekosten rechtfertigen kann.
Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (GRÜNE) bezeichnet die nun geschlossene Vereinbarung deshalb zunächst als „ersten Schritt“. Erst auf Grundlage der Ergebnisse wollen Hamburg, Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein und Schenefeld über die weiteren Planungsstufen entscheiden. Einen Zeitplan für einen möglichen Bau oder eine Inbetriebnahme der Verlängerung gibt es noch nicht.
Titelbild: Visualisierung HOCHBAHN
