Neues elektronisches Stellwerk Altona in Betrieb genommen

Die DB InfraGO hat das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) Altona in Betrieb genommen. Damit ist nach der mehrwöchigen Sperrung auch wieder direkter Regionalverkehr zwischen Hamburg-Altona und Schleswig-Holstein möglich. Der Betrieb bleibt allerdings zunächst ausgedünnt: Neben den laufenden Bauarbeiten zwischen Hamburg und Elmshorn begrenzt eine noch ausstehende Inbetriebnahme von Stellwerkstechnik im Bereich Eidelstedt die Zahl der möglichen Zugfahrten. Die Hamburger Verbindungsbahn bleibt zudem noch bis einschließlich 30. August gesperrt.

Das neue ESTW erweitert die bestehende Stellwerkstechnik aus dem Jahr 1995 und ist zugleich eine wichtige Voraussetzung für den weiteren Bau des neuen Fern- und Regionalbahnhofs Hamburg-Altona am Diebsteich. Im weiteren Projektverlauf soll das Stellwerk schrittweise zusätzliche Bereiche übernehmen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Bahnhofs Ende 2029 soll von dort schließlich auch die gesamte Leit- und Sicherungstechnik auf der Verbindungsbahn zwischen Altona und dem Hauptbahnhof gesteuert werden.

Technisch ist das neue Stellwerk bereits für eine spätere Ausrüstung mit dem europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS vorbereitet („ETCS ready“). Gleichzeitig kommt in Altona erstmals das Kombinationssignalsystem (Ks) zum Einsatz. Dabei werden die Funktionen von Haupt- und Vorsignalen in einem Signalschirm zusammengefasst. Moderne LED-Technik und elektronische Steuerung sollen zudem die Zuverlässigkeit der Infrastruktur erhöhen.

Weiterhin Engpass im Zulauf nach Altona

Trotz der Inbetriebnahme des neuen ESTW Altona bleibt der Zugverkehr aus Richtung Schleswig-Holstein zunächst eingeschränkt. Zwischen Eidelstedt und Langenfelde steht eine notwendige Anpassung der Stellwerkstechnik noch aus. Deshalb können noch bis Anfang September weniger Züge nach Altona fahren als vorgesehen. Die DB InfraGO beziffert die derzeit technisch mögliche Kapazität auf lediglich vier Zugfahrten pro Stunde.

Das eingeschränkte Betriebskonzept sieht derzeit vor, dass der RE 6 wieder bis Altona fährt und auch die normalerweise zum Hauptbahnhof verkehrenden Linien RE 7 und RE 70 dorthin umgeleitet werden. Die RB 60 fällt tagsüber aus, während die Linien RB 61 und RB 71 bereits in Pinneberg enden.

Nach Darstellung von DB InfraGO hätte der erforderliche Softwarewechsel ursprünglich bereits Anfang August erfolgen sollen. Dieser musste jedoch wegen einer „fehlerhaft gelieferten Software“ verschoben werden. Bis zum nachgeholten Wechsel in der Nacht vom 5. auf den 6. September kann der Zugverkehr zwischen Eidelstedt und Langenfelde nur mit betrieblichen Ersatzmaßnahmen abgewickelt werden, wodurch die Leistungsfähigkeit des Abschnitts deutlich eingeschränkt ist.

Der beteiligte Stellwerkstechnik-Hersteller Hitachi Rail widerspricht allerdings der Darstellung, dass fehlerhafte Software die Ursache der Verzögerung sei. Die Inbetriebnahme verzögere vielmehr aufgrund eines aufwendigeren Abnahmeprozesses und verspätet bereitgestellter Planunterlagen. Zudem seien bei den Prüfungen Mängel an der bestehenden Leit- und Sicherungstechnik festgestellt worden, die teilweise bereits seit der ursprünglichen Inbetriebnahme der Anlagen im Jahr 1990 bestanden hätten. Die dafür erforderlichen Anpassungen hätten zusätzlichen Planungs- und Prüfaufwand verursacht.

Hinzu kommen weitere Einschränkungen durch die zahlreichen Baustellen im Hamburger Bahnknoten. In Richtung Elmshorn gibt es eingleisige Abschnitte und nächtliche Totalsperrungen. Die Verbindungsbahn zwischen Altona und Hauptbahnhof bleibt wegen der Arbeiten an der neuen Sternbrücke noch bis einschließlich 30. August gesperrt. Ursprünglich sollte sie bereits Mitte August wieder freigegeben werden. Zusätzliche Anforderungen an die Oberleitungsanlage verlängerten die Sperrpause.

Nächste Bauphase am Diebsteich beginnt

Mit der Inbetriebnahme des ESTW und dem Ende Juli abgeschlossenen Rückbau des Kreuzungsbauwerks Langenfelde sind zwei wesentliche Voraussetzungen für den weiteren Bau des neuen Fern- und Regionalbahnhofs geschaffen. Bereits seit Juli laufen vorbereitende Arbeiten für die neuen Bahnsteige.

Zunächst entsteht Bahnsteig 4, der Ende 2027 fertiggestellt werden soll. Anschließend folgen die Bahnsteige 2 und 3. Der neue S-Bahnsteig, der künftig als Bahnsteig 1 bezeichnet wird, ist bereits seit Februar 2025 in Betrieb. Bis zur geplanten Eröffnung des neuen Fern- und Regionalbahnhofs im Dezember 2029 bleibt der bestehende Bahnhof Hamburg-Altona für Reisende in Betrieb.