erixx erhält Zuschlag für neuen Salzexpress

Die erixx GmbH wird künftig die neue Regionalbahnlinie RB 39 zwischen Lüneburg und Soltau betreiben. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) hat dem Unternehmen den Zuschlag für den sogenannten Salzexpress erteilt. erixx setzte sich in der europaweiten Ausschreibung gegen zwei weitere Bewerber durch. Die Linie RB 39 soll zum Fahrplanwechsel im Dezember 2028 den Verkehr aufnehmen. Die LNVG rechnet mit rund 3.000 Fahrgästen pro Tag.

Der neue Verkehrsvertrag hat eine Laufzeit von zunächst fünf Jahren bis Dezember 2033. Eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre ist möglich. Vorgesehen ist eine Verkehrsleistung von rund 690.000 Zugkilometern pro Jahr. Der Betrieb der Linie RB 39 war gemeinsam mit den Teilnetzen Weser-Elbe und Unterelbe ausgeschrieben worden. Während das Netz Unterelbe bereits im Dezember 2027 von DB Regio zurück an den metronom geht, steht eine Vergabeentscheidung im Teilnetz Weser-Elbe noch aus.

erixx muss Fahrzeuge selbst bereitstellen

Eine Besonderheit gegenüber vielen anderen von der LNVG vergebenen Verkehrsleistungen betrifft die Fahrzeuge: Für die RB 39 stellt die LNVG keine Züge aus ihrem Fahrzeugpool zur Verfügung. Das bedeutet: erixx muss die für den Salzexpress benötigten Fahrzeuge selbst bereitstellen und ist auch vollständig für deren Instandhaltung verantwortlich. Da die Strecke zum Betriebsstart nicht elektrifiziert ist, werden zunächst Dieseltriebwagen eingesetzt. Welcher Fahrzeugtyp zum Einsatz kommen wird, ist noch nicht bekannt.

Ein Fahrzeug aus der erixx-Familie war bereits im März 2025 auf der Strecke unterwegs. Damals fanden für ein Erschütterungsgutachten Probefahrten mit einem Stadler FLIRT Akku von erixx Holstein statt. Diese Fahrten standen allerdings nicht im Zusammenhang mit der nun abgeschlossenen Vergabe des Verkehrsvertrags.

Stundentakt mit rund 50 Minuten Fahrzeit

Die RB 39 soll die knapp 58 Kilometer zwischen Lüneburg und Soltau in rund 50 Minuten zurücklegen und im Stundentakt verkehren. Je nach Verkehrstag sind 13 bis 18 Fahrten je Richtung vorgesehen. Dabei hält der Zug an sechs Unterwegshalten: Lüneburg Universität, Rettmer, Melbeck-Embsen, Amelinghausen, Soderstorf und Bispingen.

Ab 2033 Akku-Heidekreuz mit RB 37, RB 38 und RB 39

Der Dieselbetrieb auf der RB 39 ist nur als Übergangslösung vorgesehen. Ab 2033 will die LNVG neue batterieelektrische Triebzüge einsetzen. Gleichzeitig soll die RB 39 mit den bestehenden Linien RB 37 Bremen – Soltau – Uelzen und RB 38 Hannover – Soltau – Buchholz – Hamburg-Harburg zum dann erweiterten Netz ‚Heidekreuz‘ gebündelt werden.

Für den Einsatz der Akkuzüge muss die Ladeinfrastruktur noch ausgebaut werden. Insbesondere in Soltau fehlt derzeit die notwendige Netzkapazität. Dort soll unter anderem eine Oberleitungsinsel entstehen, an der die Fahrzeuge während ihrer Wendezeit nachladen können. Ursprünglich war der Einsatz der neuen BEMU im Heidekreuz bereits ab 2029 vorgesehen. Dieser Zeitplan lässt sich nicht mehr halten – im Heidekreuz sollen erst ab 2033 Batteriezüge fahren. Auch im Harz-Heide-Netz (RB 42 Braunschweig – Bad Harzburg, RB 43 Braunschweig – Goslar, RB 44/48 Braunschweig – Salzgitter-Lebenstedt, RB 45 Braunschweig – Schöppenstedt, und RB 47 Braunschweig – Uelzen) verzögert sich der Einsatz von Akkuzügen um ein Jahr auf inzwischen 2030.

Die Umstellung ist Teil einer umfassenden Fahrzeugstrategie der LNVG. Bereits 2020 hatte sie entschieden, keine neuen Dieseltriebwagen mehr zu beschaffen. Für die noch nicht vollständig elektrifizierten Strecken wurden Batterie- und Wasserstoffantrieb miteinander verglichen. Insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen setzt die LNVG für die weitere Ablösung der Dieselflotte auf BEMU. Die vorhandenen 14 Wasserstoffzüge im Elbe-Weser-Netz werden damit die einzigen ihrer Art bei der LNVG bleiben. Ihre Ablösung ist nicht geplant. Nach derzeitigem Stand sollen die letzten Dieselzüge bis zum Ende der 2030er-Jahre aus dem LNVG-Bestand ausscheiden.

Dabei sollen vorhandene Dieseltriebwagen nicht vorzeitig ausgemustert werden. Sie sind auf eine Einsatzdauer von rund 30 Jahren ausgelegt. Daher sollen zunächst die ältesten Dieseltriebwagen abgelöst und jüngere Fahrzeuge vorübergehend in anderen Netzen weiterverwendet werden, die noch nicht elektrifiziert bzw. für Akkuzüge vorbereitet sind.

Für die neue Fahrzeuggeneration starteten LNVG und Regionalverband Großraum Braunschweig im März 2024 erstmals gemeinsam eine europaweite Fahrzeugbeschaffung. Ursprünglich umfasste diese 70 sogenannte „Niedersachsen-BEMU“, davon 40 für die LNVG und 30 für den Regionalverband. Inzwischen nennt der Regionalverband einen Umfang von insgesamt 113 Fahrzeugen, von denen 83 der LNVG und 30 dem Regionalverband gehören sollen. Bestandteil der Beschaffung ist auch die Instandhaltung über die gesamte rund 30-jährige Lebensdauer durch den Hersteller. Erstmals sollen die Triebwagen zur Verbesserung der Barrierefreiheit über Türen für verschiedene Bahnsteighöhen verfügen.

Planfeststellungsbeschluss steht noch aus

Zurück zur RB 39: Die LNVG geht weiterhin von einer Betriebsaufnahme des Salzexpress im Dezember 2028 aus. Für die dafür notwendigen Aus- und Neubauten fehlt allerdings noch der Planfeststellungsbeschluss. Der Infrastrukturbetreiber SinON (Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen) hatte die Entwurfs- und Genehmigungsplanung bereits abgeschlossen und die Unterlagen im Frühjahr zur Prüfung eingereicht. Zuletzt kündigte das Unternehmen an, dass das eigentliche Planfeststellungsverfahren nach den Sommerferien beginnen soll.

Erst nach Abschluss des Verfahrens können die für den Personenverkehr erforderlichen Baumaßnahmen umgesetzt werden. Unter anderem entstehen neue Bahnsteige, die Leit- und Sicherungstechnik wird angepasst und zahlreiche Bahnübergänge werden umgebaut. Wegen neuer Erkenntnisse insbesondere zum notwendigen Lärmschutz war die ursprünglich für Ende 2027 vorgesehene Reaktivierung für den Personenverkehr bereits um ein Jahr verschoben worden. Die aktuelle Standardisierte Bewertung erreicht nach Angaben von SinON trotz gestiegener Kosten einen Nutzen-Kosten-Faktor von 2,91.

Heute wird die Strecke von Güter- und Museumszügen befahren und seit mehreren Jahren von SinON abschnittsweise erneuert. Der reguläre Personennahverkehr zwischen Lüneburg und Soltau wurde hingegen vor rund 50 Jahren eingestellt.

Titelbild: Probefahrt bei Drögenindorf – @zuegig_unterwegs