Baureihe 490.2: Fahrgastbetrieb gestartet

Rund ein halbes Jahr nach Ankunft der ersten von 64 Neufahrzeugen hat bei der S-Bahn Hamburg der Fahrgastbetrieb mit der neuen Baureihe 490.2 begonnen. Seit dieser Woche kommen die Neufahrzeuge erstmals auf der Linie S7 zum Einsatz – zunächst allerdings nur auf zusätzlichen Fahrten unter der Woche zwischen ca. 9 und 13 Uhr.

Derzeit befinden sich mit den Triebzügen 9140 bis 9143 vier Fahrzeuge der neuen Serie in Hamburg. Mindestens die beiden Triebzüge 9141 und 9142 sind nun im Einsatz. Der reguläre Einsatz dürfte in Kürze beginnen.

Einige Änderungen gegenüber den bisherigen 490

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die neuen Fahrzeuge nur wenig von den bereits seit 2018 eingesetzten Zügen der Baureihe 490. Im Detail gibt es allerdings einige Änderungen. Auffällig sind unter anderem größere Fahrzeugnummern auf der Front und zusätzliche Außenanschriften. An den Frontscheiben und Wagenenden finden sich nun Alstom-Logos. Auch die alten _/HVV-Logos gehören nun der Vergangenheit an – die ersten Fahrzeuge trugen Sie im Frühjahr noch… Hinter dem Logo der S-Bahn Hamburg fehlt außerdem nun das DB-Logo.

ET 490.2 in Altona: Die Frontnummer ist größer, die Signallichter minimal anders. In der Frontscheibe klebt nun ein ALSTOM-Logo.
ET 490.2 in Altona: Es gibt zusätzliche Anschriften am Fahrzeug, außerdem fällt das DB-Logo am S-Bahn Hamburg-Logo weg.

Im Fahrgastraum wurde insbesondere der Mittelwagen verändert. Dort befindet sich ein zusätzlicher Traglastenbereich: Zwei bisherige Vierersitzgruppen wurden dafür durch jeweils drei Klappsitze ersetzt. Damit steht mehr Platz unter anderem für Fahrräder, Kinderwagen und größeres Gepäck zur Verfügung. Eine Kennzeichnung von außen, etwa mittels großer Piktogramme wie bei der Baureihe 474, gibt es (noch?) nicht.

Blick von außen auf das Traglastenabteil im Mittelwagen: Anders als bei der Baureihe 474 gibt es keine Kennzeichnung.
Das neue Traglastenabteil von innen. Acht reguläre Sitzplätze wurden durch sechs Klappsitze ersetzt. Kleine Kanten am Türbereich inklusive.
Trotz Abbauplänen: Die ET 490.2 erhalten ab Werk noch einmal neue Mülleimer. In der Baureihe 474 sind sie bereits komplett abgebaut worden.
Mindestens Fahrzeug 9141 verfügt über Kameras in den Türbereichen, die der Fahrgastzählung dienen dürften. Bislang gibt es nur eine Hand voll damit.
Vielleicht nur Einbildung: Die Inhalte auf den Bildschirmen lassen sich im Sitzen besser lesen. Manchmal wirkte das Bild bisher arg dunkel.
ALSTOM-Logos finden sich verteilt durch den ganzen Zug: Nicht nur an den Fahrzeugenden, sondern auch im Mittelwagen.

Auch technisch unterscheiden sich die Neufahrzeuge von den bisher eingesetzten 82 Zügen. Die insgesamt 64 zusätzlich bestellten Mehrsystemfahrzeuge sind bereits ab Werk mit ETCS sowie Technik für den automatisierten Zugbetrieb ATO ausgerüstet. Der ATO-Betrieb selbst ist allerdings noch nicht zugelassen. Aufgrund technischer Unterschiede können die ET 490.2 zudem nicht gemeinsam mit den älteren Fahrzeugen der Baureihe 490 gekuppelt eingesetzt werden.

Diese Inkompatibilität dürfte sich später mit der ETCS-Ausrüstung erledigen. Mit Triebzug 9124 befindet sich derzeit ein Bestandsfahrzeug in Hennigsdorf – mutmaßlich als Versuchszug für die ETCS-Nachrüstung.

Eine weitere Änderung betrifft wie erwartet die Türen: Zur Türfreigabe ertönt nun der „neue“ TSI-genormte Zweiton, der auch bereits bei vielen anderen modernen Eisenbahnfahrzeugen zum Einsatz kommt, aber auch bei den vier ETCS-Zügen der Baureihe 474.4.

Auslieferung hatte sich deutlich verzögert

Die 64 zusätzlichen Züge waren 2021 bestellt worden. Ursprünglich sollten 28 Fahrzeuge bereits 2023 und die übrigen 36 bis Mitte 2024 ausgeliefert werden. Später wurde die Lieferung auf die Jahre 2025 und 2026 verschoben. Tatsächlich begann die Auslieferung schließlich erst Anfang 2026. Nach vier Fahrzeugen war erst einmal Schluss – wann weitere Fahrzeuge folgen ist bisher unklar.

Ein Indiz für die bald startende Auslieferung weiterer Fahrzeuge? 490 136 bei ALSTOM in Hennigsdorf – mit weißem hvv-Frontlogo… Links ein Regionalzug für Schweden – optisch lässt sich eine Verwandtschaft nicht bestreiten.
490 624 stand kürzlich als Einzelwagen auf dem Werksgelände von ALSTOM in Hennigsdorf vor einer Frankfurter Straßenbahn. Im Hintergrund ein Alstom Coradia Max für die LNVG.

Benötigt werden die zusätzlichen Fahrzeuge insbesondere für den Ausbau des Hamburger S-Bahnnetzes. Vorgesehen sind sie unter anderem für die verlängerte S5 nach Kaltenkirchen, die neue S4 in Richtung Bad Oldesloe und die geplante S6. Bis diese Projekte vollständig in Betrieb gehen, verstärken die neuen Fahrzeuge zunächst die bestehende Flotte. Dass das bitter nötig zu sein scheint zeigt auch die derzeitige Einschränkung auf der Linie S1. Wegen Fahrzeugmangel verkehrt diese noch bis 16. Oktober zwischen Othmarschen und Blankenese nicht im 5 Minuten-Takt.