Weichenarbeiten am Hauptbahnhof: Vier Wochen massive Einschränkungen im Bahnverkehr

Ab Montag, 26. Oktober, müssen sich Bahnreisende in Hamburg für vier Wochen auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die DB InfraGO erneuert Weichen und Kreuzungen südlich des Hauptbahnhofs. Bis einschließlich 22. November enden die meisten Regionalzüge aus Niedersachsen deshalb bereits in Hamburg-Harburg. Nur wenige Verbindungen können weiterhin bis zum Hauptbahnhof fahren. Die S-Bahn soll den Großteil der zusätzlichen Fahrgäste aufnehmen, ohne dass zusätzliche oder längere Züge eingesetzt werden. Die Stadt Hamburg lässt deshalb ergänzende Direktbusverbindungen von Wilhelmsburg und Veddel zum Hauptbahnhof einrichten. Auch der Regional- und Fernverkehr aus Richtung Schleswig-Holstein ist von den Bauarbeiten betroffen.

Die Deutsche Bahn erneuert ab dem späten Sonntagabend, 25. Oktober, umfangreich die Gleisanlagen am südlichen Ende des Hamburger Hauptbahnhofs. Im Bereich der Bahnsteiggleise 11 bis 14 in Richtung Veddel werden stark beanspruchte Weichen und Kreuzungen ausgetauscht. Die Arbeiten sollen bis zum 21. November dauern, die weitreichenden Einschränkungen im Zugverkehr sind nach den veröffentlichten Ersatzfahrplänen für den Zeitraum vom 26. Oktober bis einschließlich 22. November vorgesehen.

Während der Bauarbeiten stehen für Züge aus südlicher Richtung zeitweise nur ein bis zwei Bahnsteiggleise zur Verfügung. Die DB InfraGO führt die Erneuerung in mehreren aufeinander abgestimmten Bauphasen durch. Die neuen Weichen werden bereits vormontiert angeliefert, um die erforderlichen Arbeiten im Gleisbereich zu verkürzen. Nach Angaben der Deutschen Bahn soll die Erneuerung dazu beitragen, die störanfällige Infrastruktur zu stabilisieren und die Zuverlässigkeit der Bahnverbindungen in Richtung Harburg zu verbessern.

Die meisten Regionalzüge aus Niedersachsen enden in Harburg

Besonders betroffen ist der Regionalverkehr zwischen Hamburg-Harburg und dem Hauptbahnhof. Die Züge der Linien RE 3 und RB 31 aus Richtung Lüneburg und Uelzen sowie RE 4 und RB 41 aus Richtung Bremen können überwiegend nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren. Auch die Linie RE 5 von und nach Cuxhaven beginnt und endet während der Bauarbeiten in Hamburg-Harburg.

Ursprünglich war vorgesehen, sämtliche Regionalzüge zwischen Harburg und Hauptbahnhof ausfallen zu lassen. Diese Planung wurde jedoch kurzfristig geändert. Am Donnerstag teilte der metronom mit, dass nun doch einzelne Zugfahrten möglich sein werden. Bislang liegen nur die Informationen für die erste Woche der Bauarbeiten vor, für die folgenden Wochen sollen die Ersatzfahrpläne schrittweise kommuniziert werden. Metronom empfiehlt ausdrücklich, die Fahrpläne auch kurzfristig vor Fahrtantritt zu überprüfen und auf die Anzeigen und Durchsagen an den Bahnhöfen zu achten.

Diese metronom-Züge fahren in der ersten Bauwoche noch durch

Nach den veröffentlichten Sonderfahrplänen sind vom 26. Oktober bis 1. November folgende Verbindungen zwischen Hamburg-Harburg und Hamburg Hauptbahnhof vorgesehen:

Verbleibende Abfahrten ab Hamburg Hbf in Richtung Harburg:

  • 07:36 Uhr RB 41 (81913) nach Bremen
  • 10:36 Uhr RB 41 (81919) nach Bremen
  • 11:15 Uhr RE 4 (82019) nach Bremen
  • 12:36 Uhr RB 41 (81923) nach Bremen
  • 17:15 Uhr RE 4 (82031) nach Bremen, verkehrt nur am 31.10.
  • 17:56 Uhr RE 3 (82133) nach Uelzen, verkehrt nicht am 31.10.
  • 18:33 Uhr RB 31 (81635) nach Lüneburg

Verbleibende Abfahrten ab Hamburg-Harburg in Richtung Hamburg Hbf:

  • 07:10 Uhr RB 31 (81608) nach Hamburg Hbf
  • 10:14 Uhr RB 41 (81914) nach Hamburg Hbf
  • 10:53 Uhr RE 3 (82116) nach Hamburg Hbf
  • 12:14 Uhr RB 41 (81918) nach Hamburg Hbf
  • 16:53 Uhr RE 3 (82128) nach Hamburg Hbf, verkehrt nur am 31.10.
  • 17:32 Uhr RE 4 (82030) nach Hamburg Hbf, verkehrt nicht am 31.10.
  • 18:14 Uhr RB 41 (81930) nach Hamburg Hbf

S-Bahn muss zusätzliche Fahrgäste aufnehmen – keine weiteren Züge vorgesehen

Für den Großteil der betroffenen Reisenden bleibt während der Bauarbeiten nur der Umstieg auf die S-Bahn. Die Linien S3 und S5 sind von der eigentlichen Weichenerneuerung nicht betroffen und verkehren tagsüber jeweils im gewohnten Zehn-Minuten-Takt zwischen Harburg und der Innenstadt.

Mit den ausfallenden Regionalzügen muss die S-Bahn allerdings eine erhebliche zusätzliche Nachfrage bewältigen. Die Deutsche Bahn rechnet selbst mit stark erhöhtem Fahrgastaufkommen. Zusätzliche S-Bahn-Fahrten sind dennoch nicht vorgesehen.

Nach einem Bericht der Kreiszeitung Wochenblatt vom 23. Oktober geht auch der hvv intern davon aus, dass die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen dürften, um sämtliche zusätzlichen Fahrgäste aus dem Regional- und Fernverkehr aufzunehmen. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein internes Papier des Verkehrsverbunds. Demnach scheiterten zusätzliche Zugfahrten unter anderem an der vorhandenen Infrastruktur und der Energieversorgung. Für längere Züge [am Wochenende] stünden nicht genügend Fahrzeuge zur Verfügung.

Insbesondere die fehlende Verstärkung an Wochenenden wirft allerdings Fragen auf. Auf der S3 werden montags bis freitags planmäßig Langzüge mit neun Wagen eingesetzt. An Wochenenden sind dagegen regulär nur sechs Wagen lange Vollzüge vorgesehen. Eine entsprechende Ausweitung des Langzugeinsatzes während der vierwöchigen Sperrung ist bislang nicht angekündigt.

Hinzu kommt, dass die Fahrzeugflotte inzwischen wieder wächst. Mittlerweile sind sechs Neufahrzeuge der Baureihe 490.2 einsatzbereit. Zwar lassen sich diese derzeit aufgrund technischer Unterschiede nicht gemeinsam mit den älteren Fahrzeugen der Baureihe 490 einsetzen. Dennoch stellt sich angesichts der zusätzlichen Fahrzeuge und des werktäglichen Langzugeinsatzes die Frage, weshalb an den Wochenenden keine längeren Züge vorgesehen sind.

Die S-Bahn Hamburg appelliert derweil an ihre Fahrgäste, die gesamte Bahnsteiglänge zu nutzen und sich nach dem Einsteigen möglichst gleichmäßig im Zug zu verteilen. Insbesondere sollen die Türbereiche freigehalten werden, damit sich die Türen ohne Verzögerungen schließen können.

Auch die Fahrradmitnahme dürfte während der Bauarbeiten erheblich eingeschränkt sein. Fahrgäste werden ausdrücklich gebeten, auf die Mitnahme von Fahrrädern, Scootern und Bollerwagen zu verzichten. Vorrang haben Reisende mit Rollstühlen und orthopädischen Hilfsmitteln sowie Kinderwagen.

Darüber hinaus empfiehlt die S-Bahn Hamburg, den Hauptbahnhof nach Möglichkeit beim Ein- und Aussteigen zu meiden. Als alternative Zugänge zur Innenstadt nennt sie die Halte Jungfernstieg und Dammtor sowie aus Richtung Harburg die Station Elbbrücken mit Übergang zur U4.

Erschwerend kommt hinzu, dass parallel weitere Bauarbeiten im S-Bahn-Netz stattfinden. Noch bis einschließlich 1. November ist die Strecke zwischen Berliner Tor und Bergedorf gesperrt. Auch die S2 und S7 stehen deshalb nicht durchgehend in Kombination mit dem Expressbus X30 als Ausweichmöglichkeiten zur Verfügung.

Hamburg richtet zusätzliche Direktbusse von den Elbinseln ein

Einen durchgehenden Schienenersatzverkehr zwischen Hamburg-Harburg und dem Hauptbahnhof gibt es nicht. Die Deutsche Bahn begründete dies laut NDR mit den ebenfalls eingeschränkten Straßenverbindungen, u.a. aufgrund der Arbeiten am Harburger Doppelknoten direkt am ZOB oder dem Rohrbruch an der Amsinckstraße.

Der Hamburger Senat kündigte am vergangenen Freitag jedoch zumindest für die Elbinseln ergänzende Busverbindungen an. Gemeinsam mit der HOCHBAHN und dem hvv lässt die Verkehrsbehörde ab Montag, 26. Oktober, zwei zusätzliche Direktverbindungen zum Hauptbahnhof einrichten. Die Busse verkehren montags bis freitags jeweils von 6 bis 20 Uhr im Zehn-Minuten-Takt. Vorgesehen sind folgende Verbindungen:

  • Wilhelmsburg (Inselpark) <> Hauptbahnhof (Steintordamm) <> Hauptbahnhof ZOB (Adenauerallee)
  • Veddel (Abfahrtsbereich D) <> Hauptbahnhof (Steintordamm) <> Hauptbahnhof ZOB (Adenauerallee)

Ein Angebot an Wochenenden ist zunächst nicht vorgesehen.

Damit könnten die Direktbusse womöglich die S-Bahnen entlasten. Offen bleibt, wie viele Fahrgäste damit auf die langsameren Busse umsteigen werden, anstatt sich in volle S-Bahnen zu zwängen. Die Verkehrsbehörde kündigte an, das Busangebot bereits in der ersten Betriebswoche auszuwerten und bei Bedarf für die verbleibenden Wochen nachzusteuern.

Auswirkungen auch auf den Regional- und Fernverkehr in Richtung Norden

Die Bauarbeiten am Hauptbahnhof wirken sich nicht nur auf den Verkehr von und nach Niedersachsen aus. Auch Regionalzüge aus Schleswig-Holstein können den Hauptbahnhof zeitweise nicht erreichen oder fallen auf einzelnen Abschnitten aus.

Betroffen sind insbesondere die nordbahn-Linien RB 61 und RB 71. Ihre Züge beginnen und enden vom 26. Oktober bis mindestens 15. November in Hamburg-Altona statt am Hauptbahnhof. Der Halt in Dammtor entfällt ebenfalls. Auch die Züge der Linie RB 60 verkehren in diesem Zeitraum von bzw. bis Altona.

Vom 26. Oktober bis 2. November kommen weitere Einschränkungen zwischen Elmshorn und Itzehoe hinzu. Dort fallen sämtliche Züge der Linien RB 60 und RB 61 aus und werden durch Busse ersetzt. In der Zeit vom 3. bis 15. November sind insbesondere in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden zusätzliche Fahrplanänderungen und Ersatzbusse vorgesehen.

Auf den Linien RE 7 und RE 70 von und nach Flensburg beziehungsweise Kiel beginnen und enden einzelne Züge in den Abend- und Nachtstunden ebenfalls in Hamburg-Altona. Auf den Linien RE 8, RE 80 und RB 81 kommt es laut Deutscher Bahn zu einzelnen abendlichen und nächtlichen Zugausfällen. Die Linie RE 1 soll dagegen ohne Einschränkungen verkehren.

Auch im Fernverkehr sind mehrere Änderungen vorgesehen. Zwar fährt der Großteil der normalerweise am Hauptbahnhof beginnenden oder endenden Fernzüge weiterhin dorthin, einzelne Verbindungen aus Richtung Süden enden jedoch bereits in Hamburg-Harburg beziehungsweise beginnen erst dort.

Die ICE-Linie 22 von und nach Kiel wird am Hauptbahnhof vorbeigeführt und über die Güterumgehungsbahn umgeleitet. Stattdessen halten sie zusätzlich in Hamburg-Harburg. Reisende mit Start oder Ziel am Hauptbahnhof müssen auf andere Verbindungen ausweichen.

Auch die ICE-Linie 33 aus Mecklenburg-Vorpommern wird am Hamburger Hauptbahnhof vorbeigeführt. Die betroffenen Züge halten stattdessen in Hamburg-Bergedorf und/oder Hamburg-Harburg. Allerdings entfallen bei mehreren ICE dieser Linie die Halte am Hauptbahnhof bereits seit dem 5. Oktober und voraussichtlich bis Mitte Dezember – aus betrieblichen Gründen.

Die Fernzüge von und nach Sylt beginnen und enden während der Bauarbeiten in Hamburg-Altona. Reisende müssen entsprechend auf andere Nahverkehrsverbindungen ausweichen, sofern sie den Hauptbahnhof oder weitere Bahnhöfe in der Innenstadt erreichen möchten.

Für Reisende auf den umgeleiteten Fernverkehrsverbindungen können sich zudem die Fahrzeiten ändern. Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden deshalb, ihre Verbindung möglichst kurzfristig vor der Abfahrt zu überprüfen. Die geänderten Fahrpläne sind nach Angaben des Unternehmens in der Reiseauskunft unter bahn.de und im DB Navigator hinterlegt. Für Fahrten im Nahverkehr stehen außerdem die Auskunftsmedien des hvv sowie die Sonderfahrpläne der jeweiligen Eisenbahnunternehmen zur Verfügung.