Es ist tatsächlich passiert: Seit Betriebsbeginn halten die Züge der Linien S1 und S11 an der neuen Station Ottensen zwischen Altona und Bahrenfeld. DT5 Online war bei der Eröffnung dabei und zeigt Bilder der 70. Station der Hamburger S-Bahn.

Überraschung!

Für viele Fahrgäste kam die Ansage „Nächste Station: Ottensen“ heute morgen überraschend und auch noch nicht jeder Zug kennt die neue Station. Raimund Brodehl, Geschäftsführer des hvv freute sich über die neue Ansage.

„Ich habe mich total gefreut, als ich mit der S-Bahn gekommen bin. Einige Fahrgäste haben ganz irritiert geguckt, ob sie in der richtigen S-Bahn sitzen“

Raimund Brodehl, Geschäftsführer hvv
Die Fahrgastinformation wurde in den letzten Tagen auf Stand gebracht, so z.B. am Jungfernstieg.
Nächste Station: Ottensen. Mit dem Update, um diese Station anzuzeigen und anzusagen, verschwindet nun auch in Zügen der Baureihe 474 endgültig das alte HVV-Logo.

Die Eröffnung zeichnete sich erst vor wenigen Tagen ab, als die Halte in den Fahrplanauskünften erschienen, die Medien berichteten Ende vergangener Woche. Seitdem wurden diverse Restarbeiten noch ausgeführt.

Raimund Brodehl (hvv), Bärbel Aissen (DB Station&Service) und Senator Anjes Tjarks (GRÜNE) eröffneten die Station Ottensen

Verkehrssenator Anjes Tjarks (GRÜNE) erklärte, dass rund 5.000 Fahrgäste die neue Station täglich nutzen würden, und auch die ersten Fahrgäste sie nutzen würden. Die Eröffnung heute sei sei ein kleiner, aber wichtiger Schritt für den Altonaer Kern und zugleich die erste von 36 in den nächsten 20 Jahren: Sie komplettiert etwas (die Ausbauprojekte der letzten Jahre) und sei zugleich der Auftakt für etwas neues: Den stärkeren Schnellbahnausbau.

Am Ende des Pressegesprächs ergriff ein Anwohner das Wort und dankte sowohl der Politik, als auch all denjenigen, die die neue Station gebaut hätten.

„Liebe Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter – Ihr seid die Helden unserer neuen Station“

Ein Ottenser Bürger

Überlegungen seit 2004 – Bau seit 2019

Der Bahnsteig, an dem 132 Meter lange Vollzüge halten können, wurde zwischen den Bestandsgleisen errichtet. Hierfür musste das stadtauswärtige Gleis auf die ehemalige Güterzugtrasse verschwenkt werden. Das verlief nicht ohne Probleme: Eine Spundwand musste länger als geplant gebaut werden. Die Brücke, über die heute die S-Bahngleise führen, stellte sich als Sanierungsfall heraus. Sie wies Querrisse im Stahl auf – Baustopp.

„Diese Station war keine Einfache“

Bärbel Aissen, Leiterin Regionalbereich Nord DB Station&Service

Doch auch sonst stand der Bau unter keinem guten Stern: Beim Baustart im Sommer 2019 ging man noch von einem Betriebsstart im Dezember 2020 aus – ein Irrglaube: Eine Pandemie und ein Krieg sollten für Materialengpässe und Verzögerungen sorgen. Auch Aissen bedankte sich bei den ausführenden Firmen und Planern, die an der Realisierung beteiligt waren.

Die erste „urkundliche Erwähnung“ der Station Ottensen findet sich im Jahre 2004, als das Thema erstmals in der Hamburgischen Bürgerschaft aufkam. Nach dem Beschluss über den Bau im Jahr 2011 dauerten die Planungen länger als erwartet: Erst 2018 erging der Planfeststellungsbeschluss. Nach vier Jahren reiner Bauzeit ist es aber tatsächlich geschafft: Hamburg hat seine siebzigste S-Bahnstation!

Rund 43 Millionen Euro investiert

Der Bau zog sich nicht nur länger als erwartet, er wurde auch teurer. Aus den zunächst 16 Millionen Euro (Planungsstand 2012) wurden erst 27 Millionen Euro (Sommer 2019), dann 41 Millionen Euro (Sommer 2021) und nun 43,6 Millionen Euro, wie die Bahn heute bestätigte. Zunächst wollte die Stadt Hamburg den Bau vollständig selbst finanzieren, inzwischen konnten aber nachträglich Bundesmittel in Anspruch genommen werden.

Trotzdem noch nicht fertig – Ein Rundgang

Ganz fertig ist die Station Ottensen noch nicht, wie auch schon vorige Woche berichtet wurde. Der zweite Zugang am westlichen Ende der Station, der aus einer Brücke über die Gleise bestehen wird, soll erst im Herbst diesen Jahres fertiggestellt werden. Hier sind Lieferschwierigkeiten beim Stahl das Problem. Von der Brücke werden die Fahrgäste sowohl nördlich als auch südlich der Bahn profitieren können. Über den bereits fertigen Zugang Bahrenfelder Straße ist auch ein barrierefreier Zugang gewährleistet, zu den Bussen der Linien 2 und 288 sind es nur wenige Meter Fußweg. Außerdem verbessert sich auch die Anbindung des Thalia Theaters in der Gaußstraße.

In folgendem Zustand zeigte sich die Station Ottensen am Morgen der Eröffnung – die Bilder lassen sich per Klick als Vollbildgalerie öffnen.